Warum Gott beweisen?

Diese Frage finde ich wirklich interessant. Warum muss Gott bewiesen werden, damit man an ihn glauben kann? Denn wer kennt ihn nicht, den Spruch “Ich glaube nur an das, was ich gesehen habe oder was empirisch beweisbar ist!”? Doch dabei sind sich die meisten gar nicht bewusst, wie schwachsinnig dieser Satz im Kontext unserer Alltagspraxis eigentlich ist. Denn längst kann nicht alles, was sich für uns im Positiven bewährt hat, bewiesen werden. Aber Gott soll bewiesen werden, denn sonst glaubt man ja nicht.

Das “Glauben” aber “Vertrauen” ist und man für ein Vertrauen keinen Beweis braucht, dass nimmt man im Bezug auf Religionen nicht wahr. Ich vertraue ja auch meiner Freundin, dass sie mir treu ist und fordere keinen Beweis, weil sie es wohl möglich nicht beweisen kann. Wie denn auch? Und ich steige ja auch in ein Flugzeug ohne vorher beweisen zu können, dass es wirklich am richtigen Ort landet und ich nicht hinterher in Einzelteilen im Wasser schwimme. Ich glaube einfach daran, dass ich heile ankomme und das Flugzeug nicht abstürzt.

Auch in der Naturwissenschaft gilt: Alle Theorien sind so lange wahr bis das Gegenteil bewiesen wird. Wenn man das auf Gott ummünzt, dann müsste man doch eigentlich von Atheisten und Co. den Beweis für die Nicht-Existenz einfordern. Und da wird aus der “Bring-Schuld” schnell ein dankbares Grinsen, denn Gottes Nicht-Existenz zu beweisen ist bisher auch noch niemandem gelungen.

Das Ganze ist mir letztens wieder vermehrt in den Sinn gekommen als ich ein Thema samt den Kommentaren beim lieben Ecki gelesen habe, denn so mancher Kommentar ging genau in diese Richtung. Komisch…

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Diskussion/Anmerkungen: 3 Kommentare

  1. Atanua
    schrieb am 4. Februar 2009

    Ich gehe jetzt von meinen persönlichen Erfahrungen mit gläubigen Menschen und Atheisten aus.

    Das mit der Bring – Schuld ist absolut richtig, nur gehen Gläubige oft gar nicht davon aus, dass es nötig wäre etwas zu beweisen. Ihr Glaube ist ihnen Beweis genug.

    Wäre es möglich die Welt auf Gott zu testen, so gibt es zwei mögliche Resultate des Experiments. Hypothese bestätigt oder verworfen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Atheisten eher ein ihrer Ansicht nicht entsprechendes Resultat akzeptieren als Gläubige. Ihnen ihr ihr Glaube oft nicht Beweis genug. Natürlich sollten sich Atheisten ebenfalls bewusst sein, dass die verlangten Experimente nicht unbedingt zu ihren Gunsten ausfallen müssen.

    Heute ist es aber glücklicherweise nicht mehr so, dass Theorien nur so lange gut sind, bis sie falsifiziert werden können. Dort lauert die Gefahr, dass Theorien zu schnell in der Versenkung verschwinden, weil sie fälschlicherweise falsifiziert wurden. Würde man so denken, dann hätte sich die Vorstellung gehalten, dass die Sonne sich um die Erde dreht.

    Heute werden naturwissenschaftliche Theorien vor allem auch daran gemessen, inwiefern sie sich auf andere Bereiche übertragen lassen und wie gross ihre Erklärungskraft ist.

    Beweisen kann man letzendlich nichts richtig, besteht in einem Experiment doch immer die Möglichkeit dass eine ungewollte Zusatzvariable vorhanden ist.

    LG

    Antworten
  2. Lordy
    schrieb am 4. Februar 2009

    Richtig. Glaubende gehen von dem Gedanken aus, dass ihr Glaube richtig ist und das sie diesen nicht zu beweisen, nicht zu rechtfertigen brauchen. Jedoch gab es ja die philosophisch orientierten Gottesbeweise von Anselm von Canterbury, Thomas von Aquin oder Kant. Dies zeigt, dass es schon eine Reihe von Leuten gibt, die sich darüber Gedanken gemacht haben.

    Dass ein Glaubender mehr an einem für ihn negativen Beweis zu knabbern hätte als ein Atheist, ist ja nur logisch, da er viel mehr zu verlieren hat, denn der Glaube ist ja für ihn und sein Leben konstitutiv. Während der Atheist seine Meinung revidieren kann. Wobei es dann auch darauf ankommt, warum ein Atheist ein Atheist ist. Ist er Atheist, der an Feuerbachs Projektionstheorie glaubt oder ist er doch eher für die Theorie der Lebenskraft von Nietzsche.

    Okay. In der Naturwissenschaft ist es nicht mehr so, dass man es immer so handhabt. Aber für die normale Gesellschaft sieht es oft noch so aus. Man lernt es quasi so. Da die Naturwissenschaft aber auch mit einem methodischen Atheismus arbeitet, ist sie nicht in der Lage in der Frage nach Gott mitzuspielen. Und es stimmt natürlich auch, dass Beweise immer auf Voraussetzungen beruhen, die nicht lückenfrei sind, weil diese wieder auf Voraussetzungen beruhen und so eine unendliche Kette entsteht.

    Wichtig ist mir vor allem, dass man Gott zwingend beweisen will, damit man an ihn glauben kann. Wobei das Wort “Glaube” eben schon anders besetzt ist als im alltäglichen Gebrauch, wo man damit ja meist eine mangelnde Form des Wissens meint, die hier aber nicht zu gebrauchen ist.

    Antworten
  3. Vitali
    schrieb am 5. Februar 2009

    „Wenn man das auf Gott ummünzt, dann müsste man doch eigentlich von Atheisten und Co. den Beweis für die Nicht-Existenz einfordern. Und da wird aus der “Bring-Schuld” schnell ein dankbares Grinsen, denn Gottes Nicht-Existenz zu beweisen ist bisher auch noch niemandem gelungen.“

    In diesem Zusammenhang weiß ich nicht, ob dir die atheistische Werbung auf den Londoner Bussen aufgefallen ist. Ich finde extrem gut, dass dort mit „Es gibt vielleicht keinen Gott“ geworben wird.

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Über Lordy

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