Der Gotteswahn – Ich bin gespannt

Richard Dawkins hat 2008 mit dem Buch “Der Gotteswahn” ziemlich viel Staub aufgewirbelt. “Wissenschaftsbuch des Jahres 2008″ steht auf einen runden Aufkleber, der auf das Buch geklebt ist. Die Welt am Sonntag schrieb:
Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat das aufregendste Buch des Jahres geschrieben: Eine Generalabrechnung mit der Religion.
Und der Klappentext verrät erst einmal den Rest, den man über das Buch wissen muss:
Richard Dawkins, einer der einflussreichsten Intellektuellen der Gegenwart, zeigt, warum der Glaube an Gott einer vernünftigen Betrachtung nicht standhalten kann. Ein wichtiges Buch, das zu einem brennend aktuellen Thema eindeutig und überzeugend Position bezieht – brillant und bei aller Schärfe humorvoll.
Richard Dawkins, ein Gegner der Religion, die seiner Meinung nach dafür sorgt, dass Menschen sich damit zufrieden geben die Welt nicht zu verstehen, schreibt also in einer Zeit, die für viele eh schon gottlos wirkt und wo Religion für viele eher rudimentäre Bedeutung hat, über das “brennend aktuelle Thema”. Das ist doch mal was. Immerhin erkennt da mal jemand an, dass Religion heute immer noch ein wichtiges Thema ist.
Ich habe mir das Buch gestern gekauft. Ich wollte es schon letztes Jahr lesen, aber ich bin absolut nicht dazu gekommen. Nun hoffe ich, dass ich es in den nächsten Wochen schaffe, da das Semester erst im April losgeht und dann der Anfang auch sicherlich nicht der Anstrengendste wird. Ich bin gespannt, wie er mit der Religion abrechnet. Auf die Argumente, die der Religion das Forum der Vernunft entziehen bin ich vor allem gespannt. Als studierender Theologe mit einem großen Interesse an der Fundamentaltheologie, deren Aufgabe es ist gegen Kritik das Wort zu erheben, ist es natürlich doppelt interessant.
Der Gegensatz ist natürlich heftig. Die Fundamentaltheologie will darlegen, dass die Religion durchaus eine vernünftige Angelegenheit ist, während Dawkins genau das Gegenteil will. Das riecht schon nach einer Menge Potential. Super.
Falls ein Gotteswahn-Leser mal die andere Seite der Medaille lesen will, dann einfach bescheid geben, denn ich kenne einige gute Werke aus fundamentaltheologischer Feder. Auch alle recht erschwinglich. So kann man sich auf jeden Fall eine bessere Meinung bilden.
Ich werde hier auch noch einmal darüber berichten, wie ich das Buch finde und wie ich zu seiner Position stehe (okay, letzteres weiß ich jetzt schon). Vor allem werde ich natürlich dann sagen was ich persönlich an dem Werk auszusetzen habe. Ich bin zwar im Vergleich zu einem renommierten Evolutionsbiologe nur ein kleines Licht, aber was stört mich das. Ich bin gespannt…






schrieb am 7. März 2009
obwohl ich ja fest an meinem glauben halte, interessieren mich auch solche bücher, weil es mich einfach interessiert was für argumente “gegen” gott spricht. ich werde erstmal deinen eintrag/meinung darüber abwarten bevor ich mir das eventuell auch kaufe. (hab zurzeit genug bücher die ich lesen will)
schrieb am 7. März 2009
Japp. Man muss die Gegenposition kennen, damit man gegen sie Stellung beziehen kann. Genauso geht es mir natürlich auch. Und ich muss mich als Theologie-Student sehr oft mit der Meinung anderer was Religion und Glauben angeht auseinandersetzen. Und da ist dieses Buch natürlich dann auch dabei.
Wenn du warten willst, dann stelle dich mal auf zwei Monate oder so ein. Das Buch hat 500 Seiten und ich habe auch selbst noch 2 oder 3 Bücher, die ich vorher eigentlich noch lesen wollte. Aber vielleicht ziehe ich es auch vor. Ja, ich denke ich ziehe es vor. Bin ja selbst gespannt.
schrieb am 7. März 2009
hab ich keine probleme mit ;) ich kann warten. hab ja selbst 2-4 bücher die ich noch lesen will :p
schrieb am 20. Mai 2009
Und? Es sind mittlerweile über zwei Monate vergangen :)
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich Dawkins Sichtweise manchmal zu extrem finde. Aber andererseits bekommt er damit mehr Aufmerksamkeit.
Es ist nur schade, dass er auf dieses Buch reduziert wird. Er schreibt seit 35 Jahren wirklich exzellente Bücher, von denen einige zu meinen Lieblingsbüchern zählen und jeder denkt immer nur, er sei Fundamentalatheist.
schrieb am 20. Mai 2009
@juliaL49: Zu meiner großen Schande muss ich gestehen, dass ich aufgrund anderer Texte, die für mein Studium konstitutiv sind, nicht dazu komme das Buch weiterzulesen. Ich bin im Moment bei Seite 250, wenn ich das gerade richtig im Kopf habe. Aber mein Eindruck bisher ist ganz gut. Wobei es mich stört, dass er vieles in einen Topf wirft beziehungsweise verallgemeinert. Kommt mir zumindest immer dann so vor, wenn er über Fundamentalisten redet. Dann bezieht er das meiner Meinung nach zu stark auf die allgemeine Christenheit. Aber eine ausführliche Meinung wird folgen. Wobei es bis August schlecht aussieht, denn dieses Semester wird vom Arbeitsaufwand nur noch mehr und leider nicht weniger. Und so werde ich wohl nicht dazu kommen es während der Vorlesungszeit weiterzulesen. Finde ich auch sehr schade, weil das Lesen des Werkes sehr viel Spaß macht.
schrieb am 20. Mai 2009
Ja, das mit dem Verallgemeinern stimmt. Das hat mich anfangs auch gestört. Aber dann wurde mir so langsam klar, dass genau diese Fundis das größte Problem darstellen und als Konsequenz daraus, erstens dort Aufklärungs-(Bekämpfungs-?)bedarf besteht und zweitens es den moderaten Glauben nicht ohne diese Hardliner gibt. Das war für mich die erstaundlichste Erkenntnis, die ich aus dem Buch mitgenommen habe. Dass das System “Jeder nach seiner Façon” nicht funktionieren kann.
schrieb am 20. Mai 2009
@juliaL49: Schon einmal schön zu lesen, dass ich mit meinem Eindruck nicht gänzlich allein bin. Hätte ja auch sein können, dass ich zu “empfindlich” bin oder sowas in der Art. Und soviel ich weiß ist die fundamentale Position in der gesamten Christenheit größtenteils negativ besetzt. Daher denke ich nicht, dass man da verallgemeinern kann. Und wie groß das Problem genau ist kann ich gar nicht abschätzen. Dazu fehlt mir vielleicht auch einfach die Distanz. Darf ich dich mal fragen, welches Buch du von Dawkins am besten findest? Dann würde ich mir das nämlich mal für eine spätere Lektüre merken.
schrieb am 20. Mai 2009
Die anderen Bücher von Dawkins beschäftigen sich ja mehr mit Wissenschaft und insbesondere seinem eigentlichen Gebiet, der Evolutionsbiologie.
Besonders toll fand ich “Unweaving the Rainbow – Science, Delusion and the Appetite for Wonder” (dt. “Der entzauberte Regenbogen – Wissenschaft, Aberglaube und die Kraft der Phantasie”).
Ebenfalls noch eher populärwissenschaftlich ist “The Blind Watchmaker” (dt. “Der blinde Uhrmacher”).
Weniger interessant für den Nicht-Biologen wird “The Ancestor’s Tale – A Pilgrimage to the Dawn of Evolution” sein (dt. “Geschichten vom Ursprung des Lebens”), was auch zur Folge hatte, dass es in D erst letztes Jahr, d.h. mit vier Jahren Verspätung erschien.
Angefangen hat ja alles mit “The Selfish Gene” (dt. “Das egoistische Gen”), dessen Aussage aber mit dem Uhrmacher auch abgedeckt ist.
schrieb am 20. Mai 2009
@juliaL49: Vielen Dank. Ich selbst lese “Der Gotteswahn” auch aus Interesse an der naturwissenschaftlichen Seite. Daher werde ich mir wohl auch mal eines der von dir genannten Werke anschauen. Die Teile, wo es naturwissenschaftlich zugeht gefallen mir auch weit besser als diese “Die Fundamentalisten sind doof”-Abschnitte, die immer mal wieder vorkommen. Ich wurde auch schon gefragt, wieso ein Theologe Interesse an der Evolutionstheorie und so hat… die Frage finde ich ja immer noch urkomisch, aber naja… das gehört hier nicht mehr hin. Vielen Dank für deine Vorschläge. :)
schrieb am 7. Juni 2009
Hallo,
bin gerade zufällig auf Deinen Blog hier gestossen. Ich schreibe gerade meine BA-Arbeit über den Dawkinschen Religionsbegriff, und muss leider sagen, dass ich Dawkins für einen Ideologen halte. Einige nahmhafte Atheisten distanzieren ja sich mittlerweile sogar von Dawkins und werfen ihm “Krawallatheismus” vor (zB Joachim Kahl). Ich vermisse im “Gotteswahn” Verweise auf die aktuellen religionssoziologischen Diskurse von Joas bis Habermas. Irgendwie ist die religionskritische Diskussion doch schon längst weiter als das Gegeneinaderaufrechnen von naturwissenschaftlicher Vernunft einerseits und Spiritualität andererseits. Es geht doch längst nicht mehr darum, ob es Gott gibt, oder ob es ihn nicht gibt. Für die bürgerlichen Freiheitsrechte (Religionsfreiheit als historisch erstes Bürgerrecht) ist das völlig belanglos: Menschen haben schlicht das Recht, an Gott oder sonstwas zu glauben. Eigentlich ist die Religionsfreiheit ja sogar die erste Stufe zum Recht auf Persönlichkeitsentfaltung. …das nur als Beispiel, was bei Dawkins alles fehlt. Ich vermute, es hängt tatsächlich damit zusammen, das das Buch nicht für einen religionspolitisch eher liberal geprägten Markt wie Europa geschrieben wurde, sondern eher für die USA.
Trotzdem viel Spass damit! gruß, oliver
schrieb am 8. Juni 2009
@Oliver: Hallo Oliver. Danke für deinen Kommentar und herzlich Willkommen auf meinem Blog. Danke auch für deine mitgeteilten Beobachtungen, die ich nach meinem bisherigen Eindruck auf jeden Fall unterschreiben kann und muss. Dawkins versucht mit etwas zu polarisieren, was eigentlich schon geklärt ist. Man ist ja nun schon einiges weiter. Und hinzu kommt, dass ich auch die Situationen, die er beschreibt, so nicht anerkennen möchte. Hier in Europa hat ein Atheist so gut wie keine Nachteile. Das weiß ich aus eigener Erkenntnis heraus. Auf jeden Fall merkt man da wirklich, dass das Buch auf jeden Fall nicht für den europäischen Markt geschrieben wurde, da es einfach nicht das wiederspiegelt, wie die Situation hier ist.
Und es stimmt. Im Grunde ist es ein pures Gegeneinaderaufrechnen, welches eigentlich wenig Sinn macht, wenn man genauer nachschaut. Vor allem, weil er immer wieder verschiedene Gruppen gegen die Wissenschaft aufrechnet und es sich meist um fundamentalistisches Gedankengut handelt, welches dann stellvertretend für das Christentum oder andere Religionen genommen werden. Wird also alles in einen Topf geworfen und dadurchwird doch irgendwie das Gesamte ein wenig verunstaltet.
schrieb am 31. Juli 2009
@ Oliver
Entweder versteht einer von uns Dawkins falsch, oder ich interpretiere Deinen Einwand falsch, denn wie ich das sehe, geht es Dawkins nicht um das Recht, an Gott (welchen auch immer) zu glauben, sondern um das Recht, NICHT an Gott zu glauben. Hier in Deutschland ist das noch ziemlich unproblematisch. Doch anders sieht das eben in Teilen der USA aus (von einigen islamischen Ländern ganz zu schweigen), wo manche ihnen dafür am liebsten die Bürgerrechte entziehen wollen.
Zugegeben, die Meinungen, die er vertritt, sind auch für mich als einen grundsätzlichen Befürworter seiner Argumente schon sehr weit gehend. Das liegt aber nur an der bisherigen Gewöhnung an das auch von ihm kritisierte unausgesprochene Tabu, dass man als nicht Religiöser die Religion nicht zu hart kritisieren darf, wenn überhaupt, sondern nach dem Motto „Leben und leben lassen“ verfahren muss, während Geistliche aller Konfessionen die Gefahren des Unglaubens ungeniert beschwören dürfen und denjenigen mit Ungemach (Hölle oder was auch immer) drohen, die nicht den „rechten“ Glauben haben.
@ Lordy
Zitat: „Dawkins versucht mit etwas zu polarisieren, was eigentlich schon geklärt ist.“
Nämlich damit, dass es Gott gar nicht gibt? Dem stimme ich zwar auch zu, aber ich fürchte, das meinst Du gar nicht. Doch alles andere scheint ja eben auch nicht geklärt zu sein. Denn trotz der überwältigenden Anzahl von Beweisen FÜR die Evolution gibt es die immer noch Creationisten und Konsorten, die die Bibel an jeder Stelle wortwörtlich nehmen wollen und alle Beweise, die dagegen sprechen, konsequent ignorieren. Und gerade neulich habe ich im Fernsehen eine Familie aus Deutschland gesehen, die in den USA um Asyl gebeten haben, weil sie ihre Kinder in Deutschland in Schulen schicken müssten, die die Evolution lehren. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
Und wenn man zu den „Gemäßigten“ gehört, die zwar an die Bibel glauben und gleichzeitig die Evolution akzeptieren, muss man sich doch die Frage gefallen lassen: Wenn denn die Schöpfungsgeschichte nicht stimmt oder zumindest komplett anders interpretiert werden muss, als sie dort steht, wie steht es dann mit dem Gehalt anderer Aussagen der Bibel aus? Nur zum Beispiel die Jungfrauengeburt, die Wiederauferstehung Jesu oder auch die Plagen in Ägypten, die die moderne Wissenschaft auch bereits als logische Folgen einer natürlichen Katastrophe (Explosion einer Vulkaninsel im Mittelmeer) ohne göttliches Wunder erklären kann., die für die damaligen einfachen Leute aber sicher eine Geißel Gottes gewesen sein muss.
Gruß
Ede
schrieb am 1. August 2009
@Ede: Kann dir in vielen Punkten zustimmen, doch an einer Stelle muss ich “die Bibel” verteidigen: die Jungfrauengeburt ist mittlerweile als Übersetzungsfehler erkannt worden. Dass die Kirche das groß aufgebauscht hat und das als Grundlage wichtiger Teile des Glaubens betrachtet, ist natürlich blöd.
schrieb am 9. August 2009
@Ede: Nun… ich denke es würde in einer Grundsatzdiskussion enden, wenn wir uns nun weiter darüber unterhalten würden, ob man die Bibel nun als Geschichtswerk, als Interpretation oder als Wort Gottes ansehen möchte. Es ist sicherlich eine spannende Frage, aber sollen wir hier darüber diskutieren? Nicht, dass ich was dagegen habe, aber ich denke da gibt es weit bessere Orte.
Ich persönlich sehe zwischen Glaube und Wissenschaft keine Konkurrenz, keinen Widerspruch. Ich bin aufgeklärt, aber dennoch glaube ich. Ich glaube, weil es für mich vernünftig ist. Die Grundlage dieses Glaubens ist die Bibel. Und diese Grundlage bestimmt natürlich den Grad der Vernunft. Die katholische Theologie hat die Fundamentaltheologie ins Leben gerufen, damit man sich gegen äußere Einflüsse wehrt, Kritiken wahrnimmt und beantwortet und sich Problemen stellt. Hier wird auch gegen Kreationisten und sonstige “Verfehlungen” vorgegangen und diese werden als unvernünftig angeprangert.
Ich habe beim Lesen von Dawkins Buch vor allem etwas die Differenzierung vermisst. Er schmeißt immer alles in einen Topf. Und das ist meiner Meinung nach einfach nur falsch. Seine Argumente passen bei bestimmten Gruppen sicherlich, aber er verallgemeinert sehr stark.
Mehr schreibe ich gerne, wenn du möchtest. Kann auch sein, dass ich an dem, was du lesen willst, vorbei geschrieben habe. Dann einfach sagen ;).
@juliaL49: Das die Kirchen diesen Fehler eingestehen und damit umzugehen versuchen zeigt aber auch, dass sie durchaus in der Lage sind Kritik zu vernehmen und Fehler einzugestehen. Und die Sache mit den “Übersetzungsfehlern” ist generell interessant, wenn aber – wie man wohl manchmal nicht mehr denkt – immer noch umstritten ;).
schrieb am 10. Juli 2011
[...] Und dieser Stress der letzten Wochen hat dazu geführt, dass ich bisher erst 200 Seiten von Richard Dawkins’ “Der Gotteswahn” gelesen habe. Und so wie es aussieht muss ich das jetzt auch noch weiter aufschieben, weil sich die [...]