Studiengebühren – Meine Bilanz (Teil 3)
Im ersten Teil habe ich das Fundament mit grundlegenden Informationen gelegt und im zweiten Teil habe ich mich dann damit beschäftigt, wie das Geld genutzt wird und ob diese Nutzung gut oder schlecht gedacht ist und wie sie in der Realität, fern vom Papier, aussieht. Und in diesem Teil möchte ich euch mal darüber informieren wie viel so ein Studium im Schnitt einen Studenten der Geisteswissenschaften kostet.
Ich beschränke mich auf die Geisteswissenschaften, da ich persönlich keine Ahnung von den Ausgaben der Studenten anderer Bereiche habe. Ingenieurwissenschaftler und Naturwissenschaftler haben sicherlich ganz andere Ausgaben zu tätigen. Denke ich zumindest. Wenn ich Unrecht habe, dann lasse ich mich in der Hinsicht gerne belehren.
Also. Was kostet ein Semester des Studiums von Geschichte und katholische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum? Erst einmal die 480 Euro Studiengebühren (seit dem Wintersemester 08/09; davor waren es 500 Euro). Dann kommt noch der sogenannte Sozialbeitrag auf die Rechnung, der ein wenig wankt, aber sich im Schnitt bei 220 Euro einpendelt. Wenn man das zusammenrechnet, dann ist man schon bei gut 700 Euro. Geld, das man bezahlt, bevor man überhaupt einmal im Hörsaal gesessen hat. Im Schnitt belegt man in einem Semester 7 bis 10 Veranstaltungen. Das heißt, dass man, wenn man zur Vorbereitung eine Einführungsliteratur lesen möchte, gerne auch hier schon einmal circa 100 Euro auf den Tisch legen muss, wenn es diese Bücher nicht in den Bibliotheken gibt. Die Alternative ist simple: Unvorbereitet in ein Seminar, eine Vorlesung oder eine Übung gehen. Außerdem müssen vor allem für Sprachkurse Lernbücher angeschafft werden. Für die Lernbücher, die ich für Latein brauche, habe ich mal eben 40 Euro ausgegeben. Und da ist der Stowasser, den ich auch noch brauche, noch nicht einmal mit dabei. Dann bin ich auch schon bei fast 70 Euro für eine Veranstaltung. Hinzu kommt das Kopieren für die wöchentliche Vorbereitung, Referate und Hausarbeiten. Eine 1000-Seiten-Kopierkarte kostet einen Studenten fast 30 Euro. Nehmen wir mal an, dass man, wenn man alles kopiert, zwei solcher Karten im Semester braucht. Das sind dann 60 Euro. Aber damit ist man noch nicht durch. Denn viele Dozenten geben zusätzlich noch über das Internet massenweise Texte an die Hand, die dann zu Hause ausgedruckt werden sollen. Je nach Drucker auch eine kostspielige Sache. Bei mir sind das gut 50 Euro pro Semester. Zum Glück habe ich einen Laserdrucker. Da hält sich der Kostenfaktor noch in Grenzen. Ein Tipp für jeden Studenten: Kaufe einen guten Laserdrucker.
Wenn man das jetzt alles mal zusammenrechnet, dann wird einem ganz schnell klar, dass so ein Studium alles andere als preiswert ist. Je nach Intensivität kann so ein Studium also locker 1000 Euro pro Semester kosten. Das pure Studieren. Man muss ja auch noch leben. Ohne Studiengebühren wäre es nur die Hälfte. Eine enorme Erleichterung, wie man eindeutig sagen muss. Vor allem merkt man das, wenn man sich mal vor Augen führt, dass ein Studium bis zum kompletten Abschluss 10 Semester Regelstudienzeit umfasst. Dann sind es nämlich schon 10000 Euro, die sich anhäufen. Ohne Studiengebühren derer 5000 Euro. Da merkt man dann erst einmal, was sich da eigentlich geändert hat. Bildung kostet 50% mehr. Da kann man ja über eine Mehrwertsteuer-Erhöhung von 2% nur lachen.
Und da wollen einem die Regierung und die Universitäten doch wirklich erklären, dass Studiengebühren keine Hürden sind, die Leute vom Studieren abhalten. Letztens hat zumindest Frau Merkel es noch so dargestellt als sie bei RTL von den Bürgern mit Fragen gelöchert wurde. “Keine Angst vor Studiengebühren” war sinnbildlich ihre Aussage. Denn es gibt ja Darlehen, die jeder bekommt. Richtig, aber das sind ja auch Schulden, die man schon hat, bevor man überhaupt im Berufsleben angekommen ist. Eine tolle Hypothek für junge Akademiker, die wohl lieber ein Haus für die Familie bauen würden als massenhaft Schulden zu tilgen. Meiner Meinung nach wird da viel zu wenig gerechnet. Es ist ja nicht nur der Fix-Betrag von 480 oder 500 Euro, sondern das Studium ist zusätzlich noch sehr teuer. Dinge, die so gut wie niemand im Kopf zu haben scheint. Wenn eine Freundin von mir kurz vor dem Termin, wo die Gebühren überwiesen sein sollen, das Geld noch nicht zusammen hat und abends nicht in den Schlaf kommt, dann ist das doch eine Sache, die einfach nicht geht. Finde ich. Wobei das im Vergleich zu dem, was ich jetzt noch loswerden will, halb so wild ist.
Nehmen wir mal an, dass ein Studium bis hin zur Bachelor-Prüfung 6 Semester Regelstudienzeit dauert. 6 Semester Unterstützung durch ein Darlehen und durch Fördermittel. Diese Semester lassen sich sicherlich gut leben.
Doch nun kommt man in eine Veranstaltung, die man unbedingt vor der Anmeldung zur Prüfung abgeschlossen haben muss, im vorgeschriebenen Semester nicht hinein. Was passiert? Man muss ein Semester mehr studieren. Und das bedeutet auch ein Semester mehr zahlen. Konkreter Verlust sind dann gut 1000 Euro. Und die Unterstützung kann auch ausbleiben, weil man dann für die Bank und die Förderungswerke offensichtlich nicht vernünfig studiert hat. “Ich konnte die Veranstaltung nicht belegen, weil sie überfüllt war” ist eine Begründung, die dann nicht gilt. Das setzt Studenten, die super im Zeitplan liegen, auf einmal und ohne eigenes Zutun tierisch unter Druck und sorgt für eine teure Verlängerung der Studienzeit. Allein dieses Szenario wird Tausenden schon passiert sein und weitere stehen sicherlich genau wegen dieser Möglichkeit unter Druck. Wer erzählt also, dass es keine Hürde gäbe? Ich würde das so nicht sehen.
Zusammenfassend: Ein Studium kostet pro Semester locker 1000 Euro oder mehr und jede Verlängerung der Studienzeit kommt einen Studenten teuer zu stehen. Wenn das keine Hürde sein soll, dann weiß ich es nicht. Darlehen und Fördermittel sind toll, aber werden auch nur begrenzt gewährt und somit gibt es unterbewusst immer den Druck auf den Schultern, der einen zwingt so schnell wie möglich so viel wie möglich zu schaffen. Man wird so quasi durch das Studium gepeitscht. Und einmal nicht in eine Veranstaltung zu kommen kann 1000 Euro kosten, die man zahlen darf, obwohl man letztendlich nicht mehr schuld ist. Wenn das so gewünscht ist, dann weiß ich es nicht.
Mit diesem Gedanken möchte ich dann auch für dieses Mal enden. Im vierten Teil plane ich darüber zu sprechen, wie an der Ruhr-Universität Bochum von Seiten der Studenten versucht wird die Studiengebühren zu senken oder abzuschaffen, denn immerhin schreibt sich das so gut wie jede Gruppierung als Ziel auf die eigene Fahne. Vor allem möchte ich auf ein aktuelles Ereignis aus dem April eingehen. Aber dazu dann später mehr. Fortsetzung folgt…






schrieb am 4. Juni 2009
Genau aus den Gründen habe ich mich damals gegen das Studium entschieden. Eigentlich war alles schon geplant. Dann kamen die Gebühren und ich habs sein lassen. Ganz einfach weil ichs mir nicht leisten kann.
Am Arbeitsamt lachte man mich aus “Ich solle gefälligst ein Darlehen beantragen”. Naja ob ich Schulden machen will is ja noch meine sache
schrieb am 4. Juni 2009
Wow, das ist wirklich eine Menge Geld. Aber die Zusatzgebühren hängen wirklich von Uni und Studiengang ab.
Bei manchen kommt noch mehr dazu, weil im Semsterbeitrag noch das unfreiwillige ÖPNV-Ticket dabei ist.
Ich kann dagegen sagen, dass ich deutlich weniger pro Semester bezahlt habe, was zum einen an der nicht vorhandenen Pflichtliteratur lag und zum anderen an den nicht nötigen Kopierorgien. Es gab wohl einige Skripte von Profs und einige, die ich von älteren Semestern kopiert habe, aber das war übers gesamte Studium so viel wie bei dir in einem Semester. Da macht es sich bezahlt (haha), wenn man in einem kleinen Studiengang ist (10-50 pro Jahr), denn dann sind die Vorlesungen und Seminare kleiner. Dort kann dann jeder mitschreiben. Bzw. das wird in Mathematik so erwartet. Da gibt der Prof kein Skript heraus, da wird alles an die Tafel geschrieben.
Ok, zurück zum Thema. Wie du schon schriebst ist das Thema Studentenkredite nicht sehr durchdacht umgesetzt. Aber hoffentlich bessert sich das in den nächsten Jahren. D.h. dass es mehr Angebote seitens der Banken oder Unis gibt und dass es mehr Akzeptanz unter den (potentiellen) Studenten findet.
schrieb am 5. Juni 2009
@Ricarda: Ja, stimmt. Natürlich ist es deine Sache. Ich kann es auch gut nachvollziehen. Wobei das wohl die besten Schulden sind, die man machen kann, wenn man so den Vergleich nimmt, denn man braucht den Kredit nicht abbezahlen, wenn man arbeitslos ist oder wenn man zu wenig verdient, die Zinsen sind quasi fast gleich 0 und im Notfall zahlt die Universität das Geld an das Institut zurück und man ist schuldenfrei. Im Vergleich zu einem Autokauf oder einem Hauskauf sind diese Schulden “leichte” Schulden. Aber ich kann dich voll und ganz verstehen. Einem kann schon mau dabei werden, wenn man zusammenrechnet, was da am Ende unterm Strich steht. ^^
@juliaL49: Der Sozialbeitrag soll wirklich überall unterschiedlich sein. Bei mir ist da sogar ein ÖPNV-Ticket für ganz NRW enthalten. Das schätze ich schon, weil einmal nach Köln fahren dafür sorgt, dass man das Geld wieder raus hat. Oder 3 Mal zu meinem Schatz fahren reicht auch schon.
Und es ist schön, dass du meinen Gedanken bestätigst. Also das andere Studiengänge andere Ausgaben haben. So hatte ich mir das auch fast schon gedacht. Mathematik-Studenten müssen sich ja auch nicht durch zig Seiten Text lesen für eine Veranstaltung, sondern eher Aufgaben rechnen etc. So habe ich das bisher mitbekommen. Und das da Kopier-Kosten wegfallen klingt mehr als nur logisch.
Alles in allem bleibt der Eindruck zurück, dass Bildung ein – viel zu teures – Gut ist. ^^
schrieb am 29. Dezember 2009
[...] auf den zweiten Teil, der von der Verwendung der Gebühren handelt, und auf den dritten Teil, welcher aufzeigen sollte, wie kostspielig ein Studium eigentlich [...]