
In der letzten Woche habe ich angekündigt, dass ich ab nun viel mehr über meine Heimatstadt schreiben möchte. Und zwar in der Serie “Mein Dorsten”. Und damit möchte ich nun beginnen. Da ich vor einiger Zeit in einer Veranstaltung an der Universität über Dorsten im Mittelalter referieren musste, habe ich mich natürlich intensiv mit der Geschichte dieser doch so schönen Stadt beschäftigt.
Eine Stadt, die in mittelalterlichen Urkunden meist “Durstine” oder “Durstene” genannt wird. Bis in das Jahr 1251 hinein ist das als “Durstine” benannte Gebiet Eigentum des Viktorstiftes Xanten und der Graf von Kleve ist der zuständige Vogt. Die Bedeutung des Gebietes ist extrem hoch, da wichtige Handelswege zwischen den anderen Städten der Umgebung (Essen, Bottrop, Köln, Münster, Recklinghausen) durch “Durstine” führen. Auch die gute Lage am Fluss mit dem Namen Lippe macht “Durstine” interessant. Nicht zuletzt, weil in dem Gebiet eine der wenigen Brücken, die über den Fluss führen, existiert.
Nachdem der Graf von Kleve und der Graf von der Mark im Jahr 1226 die Stadt Hamm und 1241 Wesel gegründet haben, möchte auch der dritte Große in dieser Region dafür sorgen, dass er eine Stadt in diesem Gebiet beherrscht. Und so will der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden “Durstine” zu einer Stadt ausbauen. 2 Urkunden, die eine betrifft den Vogt Graf von Kleve und die andere das Viktorstift in Xanten, zeugen davon, dass der Kölner Erzbischof im Jahr 1251 dem Gebiet das Stadtrecht verleiht. Es entsteht die Stadt Dorsten.
Bis in das Jahr 1260 hinein wird für eine erste Befestigung der Stadt gesorgt. Nicht mit Steinen, sondern mit Holz und Erde. Nach der Fertigstellung sind 3,5 Hektar Gebiet als “befestigt” anzusehen. Im Jahr 1275 wird eine Münzstätte gebaut, die fortan für die Prägung des “Dorstener Pfennig” verantwortlich ist. Die ersten Schritte zu einer richtigen Stadt werden also nur wenige Jahre nach der Vergabe des Stadtrechts gegangen.
Der Erzbischof von Köln hat dem Grafen von Kleve 1251 zugesichert, dass Dorsten im Falle von Konflikten neutralisiert werden würde. Dies kümmert den Grafen in der Zeit von 1297 bis 1306 jedoch nicht und er nimmt die Stadt ein, zerstört die Befestigungen und sorgt so dafür, dass der Erzbischof vorerst keine Macht mehr über die Stadt besitzt. Dorsten ist hier Spielball zweier Mächte, die sich aufgrund gänzlich anderer Gründe bekriegen. Nachdem der Konflikt im Jahre 1306 beigelegt wird gliedert sich Dorsten aber erneut in den Machtbereich des Erzbischofs ein.
Nachdem die Befestigung der Stadt mit Holz und Erde von 1260 zerstört wurde, wird 1344 erneut eine Befestigung der Stadt fertig gestellt. Dieses Mal in Form einer Stadtmauer, die 11,8 Hektar Land “befestigt” und eine Bauzeit von 28 Jahren in Anspruch nahm.
Da die Stadt bisher zum Großteil noch Eigentum des Viktorstiftes ist beginnt sie vor allem im 14. Jahrhundert kontinuierlich selbst Grundeigentümer zu werden und bringt durch zahlreiche Ankäufe immer mehr Land in den eigenen, städtischen Besitz. Für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgt dann die Mitgliedschaft in der Hanse. Auf den Hansetagen ist Dorsten allerdings nicht selbst vertreten. Die Vertretung übernimmt die Stadt Dortmund. Durch den nun stark zunehmenden Handel und durch den Schiffsbau schafft es die Stadt Dorsten ein enormes Vermögen anzuhäufen und für Händler und andere Gruppen immer attraktiver zu werden.
Dies zeigt sich zum Beispiel auch durch die Gründung eines Franziskanerklosters im Jahr 1488. Zum Ausgang des Mittelalters – also im 16. Jahrhundert – ist Dorsten die reichste Stadt im Vest Recklinghausen und gilt als bedeutender Standort im Umkreis.
Dorsten wird also 1251 gegründet, zu einer kleinen Stadt ausgebaut, dann aber durch Konflikte wieder zurückgeworfen. Nach dem vollendeten Bau der Stadtmauer, dem Erwerb von Grundbesitz im 14. Jahrhundert und durch den Eintritt in die Hanse wird Dorsten allerdings immer bedeutender und attraktiver. Meiner Meinung nach eine sehr spannende Entwicklung… es hat mir persönlich auch richtig gut gefallen damals mal ein wenig in die Lokal-Geschichte einzusteigen und sich mit der Stadt zu beschäftigen, die man als Heimat anerkennt.
Habt ihr euch auch schon einmal mit eurer Stadt, der Gründung oder bestimmten geschichtlichen Epochen dieser beschäftigt? Also: Seid ihr auch interessiert an der Geschichte eurer Stadt?
Und ich hoffe doch mal, dass ich euch da draußen nicht zu sehr gelangweilt habe.