Ein Dozent macht seine Ankündigung wahr
Schüler und Studenten werden das, was ich nun schreibe, aus eigener Erfahrung kennen. Die erste Unterrichtsstunde oder die erste Sitzung in einem Seminar beginnt mit organisatorischem Krempel. Der Dozent, die Dozentin, der Lehrer oder die Lehrerin erzählt in ausschweifenden Wortschwaden, wie er oder sie sich das Schuljahr beziehungsweise die Sitzungen vorstellt. Dann fallen Sätze wie “Das Lesen der Texte ist Pflicht und wird überprüft!”, “Wer keine Hausaufgaben macht, der bekommt zusätzlich Sonderaufgaben auferlegt!”, “Wer hier nur pennt, der bekommt keine Punkte und keine Note und fällt somit durch!” oder “Wer stört, der fliegt raus!”. Doch meist sind diese Sätze nichts weiter als heiße Luft und somit pure Zeitverschwendung. Nach zwei Wochen ist die gesamte Ansprache vergessen, die Ankündigungen sind im Nirwana verschwunden und alles nimmt seinen gewohnten Verlauf. Und dieser entspricht im Normalfall nicht den angekündigten Erwartungen des Lehrkörpers.
Doch heute haben sich über 50 Studenten im Seminarraum an die erste Sitzung erinnern dürfen. Da sagte der Dozent:
Zur Vorbereitung auf die Sitzung lesen sie bitte die Texte, die ich für sie im Internet bereitstelle. Diese sind wichtig, weil sie ihnen helfen hier mit zu reden. Wenn sie die Texte nicht lesen und ich das merke, dann wird es ungemütlich. Geschieht das einmal, dann gibt es nur eine Verwarnung. Doch geschieht es dann noch einmal ist das Seminar für die betreffende Person gelaufen. Dann schmeiße ich sie heraus.
Warum mussten wir uns da alle dran erinnern? Weil heute ein Kommilitone zum zweiten Mal zugab, dass er den vorzubereitenden Text nicht gelesen hatte. Am Anfang fand er das wohl noch ganz lustig, doch dann verging ihm ganz gehörig das Grinsen, denn der Dozent machte seine Ankündigung wahr. Durch wiederholtes Zuspätkommen – fast jede Sitzung mehr als 20 Minuten – und durch das zweimalige “Den Text habe ich nicht gelesen” war jeder Kredit verbraucht. Das Seminar ist für den Betroffenen vorbei. Nächste Woche braucht er nicht mehr zu erscheinen. In vielen Gesichtern erkannte man einen kleinen Anflug von Schock.
Nun… man kann nun über die Sache denken wie man will. Es gibt sicherlich Leute, die mit dem Kommilitonen sympathisieren, aber eben auch die, die das Ganze für durchaus gerecht halten. Ich gehöre zur letzten Sorte.
Ich finde es gut, wenn eine Lehrperson sich an die Vorgaben, die zu Beginn gemacht werden, hält. Wenn das nicht geschieht, dann ist die anfängliche Ansprache keine der Sekunden wert, die in dieser Zeit verrinnen. Und es zeigt immerhin auch, dass die Lehrperson ihre Worte hält. Und was im Negativen gilt ist meist auch im Positiven so.
Nun könnte ich darüber noch eine Menge schreiben, aber ich denke, dass es auch durchaus – an dieser Stelle – interessant wäre eure Meinungen zu hören. Wie seht und bewertet ihr das Ganze?






schrieb am 26. November 2009
Verräts du mir den Namen des Seminars?^^ War bestimmt anner Rub oder, wenn ich das BIld da oben sehe ;) Vllt hab ich den Typen ja bald auch xD
Naja.. In einer Vorlesung (Linguistik) läuft das ähnlich. Er fängt FREITAGS statt 8.30 um 8.15 an und das schaffen nicht immer alle. Wenn dann wer zu spät kommt, macht redet er nicht weiter und wartet bis der jenige sitzt :D
Noch wurd keine rausgeschmissen, hat er aber nicht angekündigt das er so böse ist :D
schrieb am 26. November 2009
Ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll.
Gibt es eine Klausur am Ende des Kurses? Wenn ja, dann finde ich den Rauswurf auf jeden Fall nicht richtig, die Quittung hätte derjenige schon bekommen.
Auch ansonsten weiß ich nicht, ob das so in Ordnung ist. Es ist relativ unakademisch. Letztlich wird es sein Problem sein, wenn er nicht mitarbeitet und nicht das des Dozenten.
Vertretbar finde ich es einzig aus dem Grund, dass er immer deutlich zu spät kommt. Summiert man das, sind die Fehlzeiten auch irgendwann erschöpft.
Bin gespannt, was die anderen so sagen werden.
schrieb am 26. November 2009
@Freddy: Herzlich Willkommen auf meinem Blog. Den Namen des Seminars werde ich nicht verraten, weil ich finde, dass sich das nicht gehört. Und 8:15 Uhr ist doch vollkommen normal… auch, wenn viele das anders machen… schaffen sollte man das schon. Ich muss für Latein auch schon um punkt 8 Uhr da sein und schaffe das ^^. Ich glaube das Hauptproblem in diesem Falle war das unvorbereitet sein.
@Konna: Ich antworte mal, weil da ja schon eine wichtige Frage vorkommt, die das Ganze vielleicht noch etwas anders bewerten lässt. Das Seminar wird abgeschlossen durch Referat + Hausarbeit. Anstatt eines Referates wird bei uns aber mit “Experten” gearbeitet, die ein Gespräch lenken. Da ist es klar, dass die Leute auch mitmachen müssen, damit diese Art klappen kann. Und mehr sage ich jetzt auch noch nicht, weil ich auch gespannt bin, was die anderen noch so für Meinungen haben.
schrieb am 26. November 2009
Also ich kann´s gut nachvollziehen was der Dozent gemacht hat. Ich finde wer studiert und sich somit auf seinen Beruf vorbereitet sollte 1. wissen, dass Pünktlichkeit in jedem Beruf wichtig ist und 2. in der Lage sein, sich an Vorschriften zu halten. Wenn man das in der Uni schon nicht hinbekommt, hat man im Beruf eh nichts verloren. Ich weiß ich habe ne ziemlich krasse Einstellung dazu, aber mir gehen Leute auf den Wecker, die meinen sich überall durchmogeln zu müssen. Und der scheint mir genau einer von der Sorte zu sein. Korrigiere mich, wenn ich falsch liege! ;)
schrieb am 27. November 2009
Ja, auch ich finde, dass (laut deinen Beschreibungen) die richtige Entscheidung getroffen wurde. Seminare sind etwas ganz anderes als Vorlesungen. Auch wenn ich als Student evtl. nicht uneingeschränkt zugestimmt hätte, so tue ich es jetzt, da ich selber unterrichte. Ich muss zwar nur Übungen machen (jetzt gleich z.B.), aber Zuspätkommen stört und wenn das Vorankommen von der Vorbereitung abhängt, dann sollte man das voraussetzen. Besonders, da es eine Warnung gab.
schrieb am 27. November 2009
Ich bin nicht sicher. Auf der einen Seite finde ich gut, dass jemand sein Wort hält – natürlich.
Aber auf der anderen Seite, hätte man ihm nochmal ganz deutlich sagen können, dass er nur noch diese eine Chance hat und sie nutzen soll. Also, vermutlich hätte ich das so gemacht.
Ich meine, Vorbereitungen und Reden hin oder her, viele hören da doch gar nicht richtig hin, weil sie das Gelaber kennen, oder aber, weil es in der Regel eh nicht ernst gemeint ist.
Ich find natürlich nicht gut, dass er andauernd zu spät kam, das stört ja irgendwo auch, wenn man es andauernd macht, aber kennt jemand den Grund dafür? Ich komme zum Beispiel immer etwa 10 – 15 Minuten zu spät zur Arbeit, nur, weil es keinen anderen Bus gibt und die Leute wissen darüber Bescheid. Natürlich muss es nicht am Bus liegen, kann aber anderen Ursachen haben. Natürlich kann ich damit auch falsch liegen, aber das ist meine Meinung.
Ich hätte ihm noch eine richtig deftige Mahnung gegeben und abgewartet, ob er was daraus macht. Fertig.
schrieb am 27. November 2009
@Lordy: Okay, da es ein Seminar und keine Vorlesung ist, revidiere ich meine Meinung. Wenn er das Zu-Spät-Kommen (vor allem) und die schlechte Vorbereitung nicht entschuldigen kann und dadurch dem Rest schadet, finde ich es in Ordnung.
Eine eindringliche, letzte Mahnung hätte ich wohl aber auch noch zugestanden.
schrieb am 27. November 2009
Also ich finde die Reaktion des Dozenten durchaus gut. Es wird Zeit und das nicht nur an der Uni, dass Lehrkräfte endlich mal Ihre Möglichkeiten und angekündigten Konsequenzen durchziehen um vor allem auch Ihre Glaubwürdigkeit zu behalten.
schrieb am 27. November 2009
Es ist zwar schon etwas heftig, aber dennoch richtig so. auch wenn mir die besagte person etwas leid tut.
schrieb am 28. November 2009
@Sonja: Über den Kommilitonen möchte ich mich nicht äußern und über ihn möchte ich auch selbst nicht urteilen. Ich kenne ihn dafür doch eindeutig zu wenig. Aber ich kann deine Meinung durchaus verstehen. Viele sagen, dass es dem “selbstbestimmten Lernen” ein wenig im Wege steht, aber das sehe ich gar nicht so.
@juliaL49: Okay. Dann sind wir zwei da auf jeden Fall schon einmal gänzlich einer Meinung. Ich habe auch Seminare in denen dann – während Referate gehalten werden – Leute zu spät kommen, dann im Raum herumlaufen und einen Stuhl suchen, diesen dann noch einmal durch den Raum tragen, weil man hinten an der Wand sitzen will und so… da merkt man erst einmal richtig wie stark so etwas stört. Bei einer Vorlesung setzt man sich einfach hinten hin und gut… aber in einem Seminar… echt nervig… aber ich hole gerade viel zu weit aus xD.
@Melli: Ich glaube, dass der Dozent davon ausgegangen ist, dass der Kommilitone die Sitzung in dem er zum ersten Mal nicht vorbereitet war, als Warnung verstanden hat. Und das mit dem “die reden viel, aber meinen das doch eh nicht ernst” ist ja eben das große Problem. Hier hat es mal jemand ernst gemeint… ist wohl auch nicht richtig, was ;)? Natürlich kann es Gründe für Verspätungen geben, aber das Seminar ist nicht morgens um 8, sondern später. Und da kann jeder Student durchaus den Weg finden… und ganz ehrlich… wenn ich dauerhaft Probleme habe, dann spiele ich direkt mit offenen Karten und sage es dem Dozenten…
@Konna: Ich kann Melli und dich verstehen. Also was die letzte Warnung angeht. Aber irgendwann muss doch auch durchaus mal Schluss damit sein, oder? Ich meine: Wenn ein Dozent einmal so anfängt, dann verliert er schon an Glaubwürdigkeit… nicht viel, aber immerhin. Und zudem… ich finde es gut, dass man jemand konsequent ist… hat man selten.
@Suriel: Genau… viele Lehrer haben zum Beispiel keine Autorität bei den Schülern, weil es ihnen einfach an Glaubwürdigkeit mangelt. Und an der Uni ist das nicht viel anders. Da ist es mal gut, wenn da mal jemand Wort hält. Auch, wenn es keine tolle Situation ist.
@Sibel: Mir tut die besagte Person auch ein wenig leid, denn damit ist zumindest ein wenig der Plan bei dieser Person verschoben, da dieses Modul erst im nächsten Semester abgeschlossen werden kann… aber leider muss ich auch sagen: Selbst schuld?!
schrieb am 29. November 2009
Ich habe nicht gesagt, dass es nicht richtig ist, lediglich, dass ich für eine Mahnung gewesen wäre, weil ich das so gemacht hätte. Er hat es eben nicht so gemacht, welches seine Entscheidung war.
schrieb am 29. November 2009
@Melli: Ich habe doch auch gar nicht gesagt, dass ich denke, dass du das nicht für richtig hältst. Ich habe nur gesagt, dass ich glaube, dass der Dozent davor die Woche schon eine letzte Mahnung ausgesprochen hatte und dass er das auch so sieht und deshalb so gehandelt hat ;).
schrieb am 29. November 2009
Es war auch nur darauf bezogen: “Hier hat es mal jemand ernst gemeint… ist wohl auch nicht richtig, was ;)?” (:
schrieb am 30. November 2009
@Melli: Achso, achso. Und ich dachte das “;)” zeigt an, dass es eher ein bisschen provokativ gemeint war ;).
schrieb am 1. Dezember 2009
Ich hab meine Antwort darauf auch nicht böse gemeint, keinesfalls und ich hab das schon so aufgefasst ;)
schrieb am 4. Dezember 2009
@Melli: Na dann sind wir am Ende ja gar beide glücklich und zufrieden ;).