
Heute ist der Tag an dem sich die Jana im Rahmen von Konnas Blogjulklapp 2009 auf meinem Blog austoben darf. Und ich finde, dass sie einen sehr interessanten Artikel geliefert hat, den ich wahrscheinlich so nie verfasst hätte. Wunderbar… und euch nun viel Spaß mit den “fremden Worten”. Alle anderen Artikel findet ihr übrigens hier.
Eine ältere Frau aus dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, hat ihre Erinnerungen an ihre Kindheit auf Plattdeutsch, genauer gesagt Niederdeutsch in der ostfälischen Variante, wie sie hier in der Region gesprochen wird, niedergeschrieben.
Damals in der 13. Klasse habe ich meine Facharbeit zu dem Thema “Stirbt das Plattdeutsche aus?” geschrieben und da in dem Buch auch Geschichten aus der Weihnachtszeit zu finden sind, dachte ich, dass wär mal schön zu schauen, was diese Frau so schreibt.
Übersetzen kann ich leider auch nicht alles wörtlich, aber ich verstehe doch den größten Teil, weil auch meine Großeltern so geredet haben (, die jetzt aber leider beide schon tot sind).
Ich zitiere also im folgenden aus dem Büchlein “Bi üsch up’n Dorpe – Plattdeutsche Geschichten” von Erika Stegemann, das offensichtlich keine ISBN hat und online scheinbar nicht zu kaufen ist. Die Geschichten finden alle ca. zu Beginn des 2. Weltkrieges statt.
“So uk opn Heiligohmd, Mama här dat hille, sei mösse noch Platenkauken backen un leit mick susen. In Backhuse was dat ümmer bannig vull, dat güng all de halwe Nacht und den ganzen Christdagmorgen. De Buern backen ganze Kiepen vull Kauken. “Kumm ober nich so late wedder, wi höt noch wat tau daun”, reip se mick noch nahe.” (aus der Geschichte “Weihnachten”, S. 54)
Früher gab es Kuchen nur zu bestimmten Anlässen – Weihnachten, Beerdigung, Taufen oder Hochzeiten. Es gibt auch ein Sprichwort: “Weihnachten backt jedermann, Ostern backt, wer kann, und Pfingsten backt der reiche Mann”. Weihnachten war also ein Anlass zu dem man gebacken hat. Bei Platenkauken handelt es sich um einfachen Blechkuchen. Wenn gebacken wurde mussten alle mithelfen und man hat dann gleich eine Masse an Kuchen gebacken.
“Na ja, sließlich wörn wi ferdig [mit dem Baden] un de Glocken füngen an tau lüen tau de Kinnerkerke. As ick mit Oma rutkeim, trudeln poor lüttje Snieplocken dorch de Luft. Ut alle Hüser keim Kinner mit öhre Öllern oder Grootöllern. Inne Kerke könne ick gor nich rechte stillesitten und miene Oma schimpe liese.
Ich mösse immertau den wunnerschönen groten Danneboom varrn Altor ankieken un luure bloß up “Vom Himmel hoch, da komm ich her…” un denn up “Oh, du fröhliche, oh, du selige…”, denn hinnerher kamm de Segen und dat Amen. Nu drängeln wi ute Kerke rut un na Hus. Et här intwüschen düchtig e’snieet un use Dorp sach richtig verzaubert ut. Uppe Straate was kum en Spoor. Ick renne miene lüttje Oma weg un up usen Hoff. Varr de Stubenfensters was son dicket Brett as Bank anne Huswand e’nogelt, da klattere ick fix rup un woll dorch’t Fenster kieken. Ober oh Gotte, da keim mien Vater ute schausterbudendöör un erwische mick. Binahe härre ick mick an Heiligohmd noch’n poor e’fungen. “Kannste nich affteuben, bet de Wiehnachtsmann dorwesen is? Nieschierige Kinner bringte nix!” dröhne hei. “Erst ward Ahmbrood getten un denn wütt wi mol seihn, ob du oortig wesen büst!” (aus der Geschichte “Wiehnachten”, S. 55.56)
Das kenne ich auch noch von Früher. Man wird als Kind mit einem Elternteil oder Großelternteil in die Kirche geschickt, damit zu Hause der Weihnachtsmann kommen kann. Papa musste natürlich immer da bleiben und dem Weihnachtsmann zeigen, wohin er die Geschenke legen soll =).
Nur Schnee, wie in der Geschichte beschrieben, habe ich leider zu Weihnachten schon lange nicht mehr gesehen. Ich erinnere mich an ein Weihnachten, zu dem wir Roller bekamen und diese wegen dem Schnee nicht probieren konnten, aber das war eher die Ausnahme und ist schon länger her.
Auch den Satz “Nieschierige Kinner bringte nix” hab ich tausendmal gehört. Allerdings lagen unsere Geschenke immer im Wohnzimmer unter Decken. Man konnte sie sehen und doch musste nach der Kirche erst Abendessen gegessen werden. Aus der Familie meiner Mutter (meine Großeltern mütterlicherseits kommen aus Pommern und Schlesien) gab es die Tradition Weißwürste und Sauerkraut an Heiligabend zu essen. Schnell wurden aus den Weißwürsten aber normale Bratwürste, weil es hier keine originalen schlesischen Weißwürste zu kaufen gibt und “alles andere nicht schmeckt”. Auch der Sauerkraut wurde inzwischen durch Kartoffelsalat ersetzt.
Jetzt wo wir Kinder älter sind, hat mein Bruder sich entschieden, nicht mehr zur Kirche zu gehen, während ich und meine Mutter bevorzugt um 22 Uhr den Gottesdienst besuchen, weil wir es da ruhiger und besinnlicher finden.
Denn für uns geht es an Weihnachten nicht um Geschenke und Hektik, sondern um ein paar ruhige Minuten in der Familie. Oft sitzen wir noch lange am Tisch und schauen in die Kerzen.
Meine Oma hat sich immer gewünscht, dass ich Weihnachtslieder auf der Blockflöte spiele. Sie ist nun seit mehr als 10 Jahren nicht mehr da und noch immer spiele ich an Heiligabend 2-3 Lieder. Einfach weil es so Tradition bei uns ist.
Wie sieht bei euch Weihnachten und Heiligabend aus? Ich bin auf eure Kommentare gespannt!
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Illustration (c) Karin Prinz