Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen

Seit Wochen bzw. seit Monaten werde ich ständig mit den Missbrauchsfällen innerhalb katholischer Einrichtungen konfrontiert. Ich soll meine Meinung dazu sagen. Dabei stelle ich mir immer die Frage, wieso gerade meine Meinung so eine Rolle spielt. Weil ich an Gott glaube? Weil ich katholische Theologie studiere? Oder weil ich mich gar als Katholik bezeichne?

Im Grunde weiß ich aber gar nicht, was ich dazu sagen soll. Ich muss wohl niemandem erzählen, wie schrecklich und abscheulich diese Taten sind, die da ans Tageslicht getreten sind? Ich muss wohl ebenfalls niemandem erzählen, dass solche Verbrecher meiner Meinung nach bestraft gehören. Und ich brauche wohl auch nicht erwähnen, dass ich für eine vollkommene Aufklärung der Fälle und des Ausmaßes bin.

Ich glaube das Hauptproblem dieser Sache ist eher der Umgang der katholischen Kirche mit der Situation. Manche streiten ab, manche reden es herunter, manche sind für eine umfassende Aufklärung und manche schweigen. Das sorgt dann natürlich für eine nicht so sonderlich gute Stellung der katholischen Kirche in den Augen der Weltöffentlichkeit – verständlich. Und es sorgt dafür, dass erstmals der Druck auf einen Bischof so groß wird, dass er ein Rücktrittsgesuch einreicht. Bischof Walter Mixa hat dies am vergangenen Donnerstag getan. In der deutschen Geschichte ist dies bisher einmalig. Schon mehrfach musste ein Bischof aufgrund politischen Drucks aus dem Amte weichen (man siehe vor allem die NS-Zeit) oder wurde durch Krankheit und Alter dazu gezwungen, aber noch nie war der öffentliche Druck so groß wie in diesen Tagen.

Das muss für die katholische Kirche ein Zeichen sein. Der Mantel des Schweigens muss verschwinden und eine flächendeckende und rücksichtslose Aufklärung muss durchgeführt werden. Ein Neuanfang im Umgang mit dieser Situation muss geschehen. Erst dann kann die Versöhnung mit der Weltöffentlichkeit wieder erfolgen. Erst dann wird man der katholischen Kirche ihr bisheriges Handeln verzeihen und dafür sorgen, dass es mehr und mehr in Vergessenheit gerät. Wobei damit auf keinen Fall die Missbrauchsfälle selbst gemeint sind. Diese sollen ein Mahnmal für die Zukunft werden. So etwas darf einfach nicht passieren – weder in katholischen Einrichtungen noch sonst wo. Da sind wir uns – denke ich – doch alle einig.

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Diskussion/Anmerkungen: 2 Kommentare

  1. Vitali
    schrieb am 24. April 2010

    Verwundert war ich, wie überrascht und empört alle waren, als das rauskam … dabei ist die Weltliteratur seit Jahrhunderten voll von prügelnden Priestern. (Übrigens habe ich gehört dass Missbrauch statistisch gesehen in der Kirche immernoch seltener ist als im Rest der Gesellschaft).

    Dabei stelle ich mir immer die Frage, wieso gerade meine Meinung so eine Rolle spielt.

    Weil beim ganzen Lügen, Leugnen und Verschleiern ein paar Eigenschaften eine Schlüsselrolle spielten, die bei der katholischen Kirche schon lange in der Kritik stehen – vor allem Obrigkeitshörigkeit und Unfehlbarkeitsanspruch.

    Und welcher halbwegs aufgeklärte Mensch dachte, die Kirche sei endlich im letzten, wenn auch nicht in diesem, Jahrhundert angekommen (ich erinnere: Abschaffen der Vorhölle, Rehabilitation Galileis, lol?), der wird von Mixas Äußerungen (Abtreibung = Holocaust, Missbrauch von Minderjährigen = Schuld der sexuellen Revolution, Atheismus = Kommunismus und Nationalsozialismus) enttäuscht worden sein.

    Wenn durch diesen Skandal also schleppend aufgearbeitet wird, was eh immer schon jeder wusste, dann liegt die eigentliche Gelegenheit darin, ein tief verkrustetes und mir stark zuwideres System zu entschlacken, das das schon lange nötig hat.

    (Auch, wenn die Argumente jetzt vereinfacht waren – das sind eben genau die, denen sich die Kirche nun gegenüber sieht.)

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  2. Lordy
    schrieb am 27. April 2010

    @Vitali: Ich war überrascht, dass sich so unterschiedliche Meinungen durchgesetzt haben. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich auf der Straße – vorwiegend von älteren Herrschaften – Dinge vernehmen muss wie “Das ist doch alles nur gelogen” oder “Das würden die doch nie tun”. Das hat mich viel mehr schockiert als die gesamte Sache an sich. Selbst nachdem es herausgekommen ist gibt es noch Menschen, die das alles für eine Lüge und für Propaganda gegen die Kirche halten… ich kenne auch einen Fall eines mittlerweile 45-jährigen Mannes, der vor Jahren in einer katholischen Einrichtung missbraucht wurde… seine Mutter hat ihm nie geglaubt und tut es auch jetzt noch nicht… DAS ist die wahre Tragödie dieser Sache.

    Und zudem glaube ich nicht wirklich daran, dass der Kirche das helfen wird oder das eine Aufarbeitung stattfindet, weil sie mit der Situation zu unbeholfen umgeht… und dadurch ja immer mehr in Probleme gerät. Aber irgendwann wird das Ganze von den Medien vergessen… und dann verschwindet es auch wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein. So war es ja meist, wenn irgendwo irgendwas in Schieflage geriet…

    Achja… die katholische Kirche ist auch von ihren Würdenträgern her nicht gerade klein… man schaue sich die Zahl der Bischöfe und so weiter an… und ein Herr Mixa ist sicherlich nicht ein Sprachrohr der katholischen Kirche generell. Viele Probleme – wie zum Beispiel das Thema der Verhütung per Kondom zur Vorbeugung von AIDS – entstehen nicht hier in Europa. Es sind vor allem afrikanische Bischöfe, die sich dagegen wehren. Und der Papst – als oberster Bischof, aber als einer von ihnen – kann da auch nicht einmal mal so dazwischen hauen… die Kirche ist eine globale Institution… viele scheinen das immer wieder zu vergessen…

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