Gestern trat Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit düsterer Miene an sein Rednerpult und verkündete, dass konkrete Hinweise auf Terroranschläge des internationalen Terrorismus auf Ziele in Deutschland vorliegen würden. Drei unterschiedliche Szenarien seien denkbar und vor allem “weiche Ziele”, also Orte an denen sich große Menschenmassen sammeln, seien besonders gefährdet.
Passend zu dieser Mitteilung des Bundesinnenministers wird heute gemeldet, dass die Polizei von Namibia ein verdächtiges Gepäckstück beim Verladen in einen Airbus A330 mit dem Flugziel München entdeckt und somit vielleicht einen Terroranschlag verhindert hat. Genaueres weiß man aber erst, wenn Sprengstoffexperten das Gepäckstück untersucht haben. Okay… nehmen wir mal an, dass es wirklich eine Bombe war und sie auch nach München gelangen sollte: Glückwunsch, die Kontrollen haben ihren Dienst getan. Wenn nicht: Die Schlagzeile hat auf jeden Fall ein wenig Wirbel verursacht.
Unterdessen nutzen Hans-Peter Uhl, Innenexperte der Union, und einige andere Politiker unterschiedlicher Parteien diese Situation nun, um eines ihrer Lieblingsthemen wieder auf den Tisch zu zaubern: Die Vorratsdatenspeicherung. Bingo! Da wird an dem einen Tag gesagt, dass die Terrorgefahr so groß ist wie selten zuvor, und am nächsten Tag wollen viele wieder zu Mitteln greifen, die das Bundesverfassungsgericht noch vor Monaten für nicht zulässig befand. Hier wird also versucht die Angst der Menschen für sicherheitspolitische Änderungen zu nutzen, die meiner Meinung nach fragwürdig sind. Bundesinnenminister Thomas de Maizière weist diese Forderungen übrigens zurück. Klug von ihm, denn die Angst der Menschen wurde vor allem in den vergangenen Jahren schon zu oft ausgenutzt.
Aber lassen wir das. “Meine Damen und Herren, es gibt Grund zur Sorge, aber keinen Grund zur Hysterie. Wir lassen uns durch den internationalen Terrorismus weder in unseren Lebensgewohnheiten noch in unserer freiheitlichen Lebenskultur einschränken”, sagte Bundesinnenminister de Maizière zum Abschluss seiner nicht gerade fröhlichen Rede.
Stimmt! In diesen Tagen werden ja bekanntlich die ersten Weihnachtsmärkte öffnen. Und die gehören ja mitunter zu den sogenannten “weichen Zielen”, wenn ich da richtig informiert bin – also neben Flughäfen, Bahnhöfen, Fußballstadien und so weiter. Gott sei Dank gehören Atomkraftwerke nicht dazu. Und ich lasse es mir doch nicht nehmen mit ein paar Freunden über die schönen Weihnachtsmärkte dieser Region zu schlendern, den einen oder anderen Glühwein zu trinken und Bratwürste im Brötchen am Stück zu verschlingen. Nee… kommt gar nicht in die Tüte!
Wobei ich ja auch eine gute Ausrede hätte, um die eine oder andere Veranstaltung an der Uni nicht zu besuchen. Bahnhöfe sind schließlich gefährdet. Und ich fahre ja immer mit dem Zug. Ich bin ja nicht lebensmüde! Aber diese Ausrede lässt wohl keiner der Dozenten gelten. Und auf die spannenden Vorlesungen mag ich ehrlich gesagt auch gar nicht verzichten. Klingt irgendwie streberhaft, oder? Egal.
Öhm… jetzt fällt mir irgendwie gar nix mehr ein. Vielleicht sollte ich mir einfach noch einen Schluck aus der Tasse gönnen, die gerade neben mir steht. Da ist Glühwein drin. Denn den kann man nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt, sondern auch zu Hause trinken. Ist zwar bei weitem nicht so schön, aber dafür immerhin sicher. Denn: Die einzigen “weichen Ziele” in meiner näheren Umgebung, sind Kuhweiden… muh!


schrieb am 18. November 2010
Ich finde es gar nicht mal schlecht am Kölner Hauptbahnhof mal etwas bedohlichere Typen als die KVB Bahnsicherheit zu sehen. Denn wenn auch nicht die Terroristen lassen sich vllt die gewöhnlichen Kleinkriminellen von den Herren in Grün und Blau mit den automatischen Maschinenpistolen und den balistischen Schutzwesten abschrecken…