Die Mannschaft aus Dortmund bekam gestern in Sevilla “ihr Endspiel” um den Einzug in die nächste Runde der UEFA Europa League. Gegen den in einer sportlichen Krise befindlichen FC Sevilla konnte nur ein Sieg das Weiterkommen und “Überwintern in Europa” möglich machen. Und dieser Sieg wurde verpasst. Der Endstand war lediglich ein 2:2-Unentschieden.
Ich habe dieses Spiel mit Spannung verfolgt. Habe mich gefreut, aufgeregt, geärgert, habe gehofft und gebangt und war am Ende stolz und traurig zugleich. Wir waren kurz davor, aber sind den letzten Schritt nicht gegangen – schade, aber damit kann ich sogar ganz gut leben.
Um 21:05 Uhr wurde die Partie vom Schiedsrichtergespann aus der Sowjetunion (da waren Hansi Küppers Gedanken wohl irgendwo in der Geschichte hängen geblieben, aber er hat sich ja später verbessert) Russland angepfiffen. Vier Minuten später war der Ball dann im Tor des FC Sevilla. Täter: Shinji Kagawa. Dortmund führte – super Beginn. Bis zur 15. Minuten sah es dann so aus als hätte der BVB hier ein leichtes Los gezogen und würde sicher durchmarschieren, doch dann begannen 20 Minuten, die dem BVB die erste Halbzeit ordentlich versalzten. Bis zur 35. Minute gab es nun eine Drangphase Sevillas, die mit zwei Toren belohnt wurde. Romaric und Kanouté trafen in der 31. und 35. Minute zur 2:1 Führung des Gastgebers. Dann war auch irgendwann Halbzeit.
Nach er Pause ging es dann gleich wieder munter los, denn der BVB wollte den Sieg. Das konnte man den 11 Mann auf dem Platz deutlich ansehen. In der 49. Minute schoss Nuri Sahin einen genialen Eckball und Neven Subotic nutzte diese Gelegenheit zum Ausgleich per Kopf. Ab da war wieder alles offen und der Sieg war greifbar – zumindest in der Theorie. In der Praxis wurde aus dem bis dahin tollen Fußballspiel allerdings letztendlich eine Farce. Jürgen Klopp sagte nach dem Abpfiff folgendes:
Es gibt zwei Dinge, die man über das Spiel sagen muss. Einerseits waren die Gegentore nicht wahnsinnig notwendig, die wir uns eingebrockt haben. Auf der anderen Seite muss man auch sagen: Wenn am Donnerstag in der Presse steht, dass uns die internationale Erfahrung fehlt, kann ich das nicht verstehen. Wenn es internationale Erfahrung ist, aus fünf Minuten Nachspielzeit acht Minuten zu schinden, dann möchte ich nicht, dass meine Mannschaft so etwas lernt. Wir haben es zwar selber versäumt, das dritte Tor zu machen, und Sevilla hat sich das Unentschieden erarbeitet, insgesamt bleibt aber ein fader Beigeschmack. Es ist eine peinliche Vorstellung, wenn eine klasse Mannschaft wie Sevilla auf eine solche Art Fußball spielt.
Innenverteidiger Neven Subotic pflichtete seinem Trainer bei.
Natürlich ist die Enttäuschung groß, denn wir haben am Ende alles nach vorne geworfen. Sevilla hat das aus meiner Sicht am Ende zu abgezockt gemacht, der Schiedsrichter hätte locker noch eine Hälfte länger spielen lassen können. Nach jedem Foul hat es nämlich fast acht Minuten bis zur Ausführung gedauert. Auf der anderen Seite hatten wir nach dem 2:2-Ausgleich bis auf die Chance von Mario Götze kaum noch echte Torgelegenheiten. Es war einfach schwierig, da Sevilla mit neun Mann verteidigt hat.
“Zeitspiel” und “totale Defensive” waren nach dem Ausgleich wohl die wichtigsten Begrifflichkeiten des Spiels. 40 Minuten der regulären Spielzeit lagen nach dem Ausgleich noch vor den 22 Mann auf dem Rasen. Und als Zuschauer kam es einem so vor als wären nicht einmal 15 Minuten an effektiver Spielzeit dabei herausgesprungen. Lange Verletzungspausen ohne erkennbaren Grund, Wadenkrämpfe bei den Spielern von Sevilla nach 80 Minuten Spielzeit (was machen die eigentlich im Training?) und Verzögerungen waren an der Tagesordnung. Hinzu verteidigten die Spanier dann noch mit 9 Mann plus Torwart im eigenen Sechszehner. Wenn der FC Sevilla wirklich zu den besten Mannschaften Spaniens gehört, dann tut es mir leid um den spanischen Club-Fußball. Hoffentlich fliegen die in der nächsten Runde raus. Ich drücke die Daumen.
Aber nichtsdestotrotz kann ich mich nur beim BVB bedanken. Acht Spiele auf der europäischen Bühne waren live im Free-TV zu sehen. Mehr als geplant. Mehr als gedacht. Toll. Danke! Und zudem hat sich der Verein sicherlich neben dem Geld vor allem Respekt und Anerkennung verdient.
In Leverkusen und München werden sich gestern die Verantwortlichen der jeweiligen Clubs geärgert haben. Der BVB hat nun keine Doppelbelastung in der Rückrunde und kann sich komplett auf die 17 Partien in der Bundesliga konzentrieren. Vielleicht ist das der Vorteil, der den BVB nun wirklich zum Meisterschaftsfavoriten macht. Aber lassen wir das… darüber schreibe ich dann in 3 Monaten oder so.
Was ich allerdings noch loswerden will: Nächstes Jahr spielen wir sicher wieder europäisch. Warum? Weil der BVB nach 16 Spielen dieser Saison bereits 43 Punkte hat. In der letzten Saison hatte man 57 Punkte nach dem 34. Spieltag. Und man stand auf dem fünften Tabellenplatz. Auf gut Deutsch: In 18 Spielen muss der BVB noch 14 Punkte holen, um so erfolgreich wie im letzten Jahr zu sein. Oder auch: In dieser Saison hat man auf den ersten Tabellenplatz, der nicht nach Europa führt, bereits 17 Punkte Vorsprung. Der BVB wird also nächstes Jahr auf jeden Fall europäisch spielen. Und dann wird es auch über den Winter hinaus halten… ganz sicher.


schrieb am 17. Dezember 2010
Eben, jetzt ist nur noch die Bundesliga da, in der wir hoffentlich weiterhin so erfolgreich sind.