Tschüss, schwarze Szene!

Meine ersten Kontakte zur schwarzen Szene beziehungsweise zur Gothic-Szene hatte ich im Jahr 2000. Alles, was diese Szene ausmachte, war spannend und faszinierend. Und so wurde ich in den folgenden Monaten ein Teil dieser Gemeinschaft. Ich knüpfte wahnsinnig viele Kontakte, eröffnete ein Diskussionsforum namens “Schwarzes Leben” und erlebte wahnsinnig tolle Konzerte und Festivals. Die Gothic-Szene war zu meinem Zuhause geworden. Fast alle meine heutigen Freunde und Bekannten kennen mich nur als “Gruftie”. 2008 eröffnete ich mit dem “SchwarzBlog” sogar einen Blog über die Szene, der mir erneut viele Kontakte und Einblicke bescherte.

Doch im Jahre 2009 wurde ich das Gefühl nicht mehr los, dass ich einfach nicht mehr mit dieser Szene harmoniere. Ich hatte mich verändert. Einzig die Musik und ein paar gute Freunde hielten mich in der Szene. Ansonsten war da nicht mehr viel. Dennoch konnte ich mich einfach nicht verabschieden, denn immerhin hatte mir diese Szene tolle Jahre geschenkt.

Das letzte Jahr war toll. Ich habe so ziemlich jedes tolle Konzert mitgenommen, war auf dem BlackField-Festival und habe dutzende Nächte tanzend in den schwarzen Clubs verbracht. Und erst dachte ich, dass ich wohl doch in die Szene passe. Und alle Zweifel waren erst einmal wie weggeblasen.

Allerdings wurde mir Anfang diesen Jahres recht schnell klar, dass 2010 eigentlich nichts weiter als meine ganz persönliche Abschieds-Tour war. Ich habe noch einmal alles mitgenommen, was die Szene für mich bereithielt. Ich habe das Beste aus den Möglichkeiten gemacht. Und wie sagt man doch so schön? Man soll immer aufhören, wenn es am schönsten ist.

Somit habe ich mich nun still und leise von der Szene verabschiedet. Einige Leute in meinem Umfeld haben es recht schnell gemerkt, bei anderen hingegen hat es etwas gedauert. Ich habe mich über die Jahre einfach innerlich von dieser Szene distanziert. Sie passt nicht mehr zu mir, denn die Szene hat sich ebenso verändert wie ich mich verändert habe. Und ich bin froh, dass ich nun diesen Schritt gegangen bin. Ich fühle mich befreit. Und es ist ein kleiner Neuanfang. Ein Imagewechsel. Eine große Veränderung. Aber eine Veränderung, die gut tut und die ein Lächeln auf’s Gesicht zaubert.

Nichtsdestotrotz wird die Szene in meiner Erinnerung für mich immer weiterleben. Sie hat mir tolle Jahre geschenkt und durch sie habe ich tolle Menschen kennengelernt. Gute zehn Jahre war ich ein Teil in diesem großen Puzzle und ich habe mich dabei über weite Strecken gut gefühlt. Aber nun ist es aus, nun ist es vorbei. Und der Abschied fiel irgendwie auch gar nicht schwer. Nun denn… mehr möchte ich dazu gar nicht sagen. Tschüss, schwarze Szene!

___
Hier merkt man mal wieder, dass Abschiedsreden einfach nicht mein Ding sind… generell bin ich kein Fan von Abschieden…

Diskussion/Anmerkungen: 18 Kommentare

  1. Heuni
    schrieb am 8. März 2011

    Dennoch kannst Du weiterhin diese Musik genießen, auch mal in schwarze Klubs gehen und tanzen und auch auf Dark Festivals gehen. Kein Problem.
    Man muss nicht unbedingt in einer Szene sein, um es zu genießen.

    Ich höre auch viel Mittelalterkram, bin auf Märkten und Co., bin aber dennoch nicht in dieser Szene vertreten. Mir gefällts einfach nur.

    Antworten
  2. Zeitzeugin
    schrieb am 8. März 2011

    Och je.
    Kann mich aber auch nur Heuni anschließen. (ich höre auch dies und das(Metal, Mittelalter etc.pp.), bin aber kein Hardcore-Szenetyp, trage nur ein paar Symbole (in Form von Schmuck).
    Mit der Gothszene habe ich nie so recht sympathisiert. Mit Einzelnen natürlich sehr wohl. Mein Exfreund war/ist zB. Goth. Bzw. Metaller. Bzw. irgendwas dazwischen g

    Dann bist du aber haartechnisch eine echte Frau. Kaum eine Beziehung beendet, zack neue Frisur ;D

    Antworten
  3. Sebastian
    schrieb am 8. März 2011

    Du musst sicherlich nicht in einer Szene aktiv sein, oder eben dieser entsprechen wenn du nur Teile davon magst.

    Wenn ich zum Beispiel auch den biotechpunk.de betreibe, so gehörte ich persönlich zu keiner Szene, nur weil mir die Musik selber gefällt.

    Ich bin wie ich bin, mag die Musik, mag Punkveranstaltungen genauso wie Mittelaltermärkte oder Grindcore.

    Man kann sicherlich sein Ding machen, rund um eine Szene, eine Musikrichtung, ohne direkt irgendwie dort aktiv zu sein.
    Die Musik hören, zu Konzerten gehen und über Musik berichten ohne das man das man nun alle Szenentypischen Dinge mitnehmen und machen müsste.

    Antworten
  4. Mirabellenmedchen
    schrieb am 8. März 2011

    Der Begriff der “Szene” ist mittlerweile sowieso derart schwammig geworden, dass ich kaum noch Leute kenne, die sich ihr komplett zugehörig fühlen. Die Kirche nennt Christen, die nur zu besonderen Anlässen zur Messe gehen “U-Boot Christen”. Ich schätze, dann bin ich ein “U-Boot Goth”; ich mag die Musik noch, laufe aber schon lange nicht mehr ausschließlich in schwarz rum. Und Clubs besuche ich vielleicht nur noch ein mal in zwei Monaten.

    Ich bin absolut untrue ^^

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  5. Lordy
    schrieb am 8. März 2011

    @Heuni: Da hast du natürlich recht. Ich unterscheide auch klar zwischen Musik und Szene. Lange Zeit war es nur so, dass ich die Szene nicht verlassen wollte, weil mir viel an der Musik lag… wobei ich wahrscheinlich auch viele Bands auch einfach nicht mehr hören werde… davon kann man ausgehen… aber das hat andere Gründe :D.

    @Zeitzeugin: Ich denke, dass es normal ist, wenn man sich dann auch äußerlich wandelt. Was meinste, was mein Kleiderschrank gerade alles mitmachen muss? Da wird sortiert, weggeschmissen, neu gekauft… ich habe die Schnauze voll von einem monotonen Leben… und zu einem neuen Lebensgefühl gehört ja auch ein neuer Haarschnitt. In der Hinsicht bin ich dann sogar irgendwie gerne Frau. Und ich war mal voll der krasse Szene-Typ. Krass.

    @Sebastian: Auch dir kann ich da natürlich zustimmen. Es ist ja auch nicht so als würde ich jetzt allem den Rücken zuwenden. Ich habe mich einfach in andere Richtungen entwickelt… innerlich schon länger… nach außen nun immer mehr :D.

    @Mirabellenmedchen: Gerade das Schwammige lädt ja dazu ein, sich leichter zugehörig zu fühlen, weil es keine klaren Richtlinien mehr gibt… wobei… das ist natürlich auch andersherum denkbar, klar. Untrue wäre für meinen momentanen Zustand wohl noch zu harmlos :D.

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  6. Konna
    schrieb am 8. März 2011

    Ich schließe mich dem Tenor der Kommentare an und ergänze nur eine Sache: Sei einfach du selbst und tu das, was dir gefällt. Ich denke, damit fährt man am besten, als sich zwanghaft irgendwo einsortieren zu wollen. :)

    Antworten
  7. Lordy
    schrieb am 8. März 2011

    @Konna: Und genau diese eine Sache habe ich mir ja zu Herzen genommen… ich bin ich… und ich passe da nicht (mehr) rein :D. Hachja… ;).

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  8. Symm
    schrieb am 9. März 2011

    Wie schon erwähnt hier. Veränderungen sind gut solange du dir selbst Treu bleibst. Habe selbst vor mittlerweile 4 Jahren einen kleinen Neustart meiner Person gehabt. Und das hat mir innerlich sehr gut getan.
    Solange man sich wohl in seiner Haut fühlt hat man dann auch nichts falsches getan.

    Antworten
  9. Lordy
    schrieb am 9. März 2011

    @Symm: Ich würde mich glaube ich auch nur dann verbiegen, wenn ich mich nicht von der Szene distanzieren würde xD. Also… ich denke ich habe alles richtig gemacht. Und irgendwie erfindet man sich während seines Lebens doch eindeutig öfter neu, wenn ich das richtig sehe :D.

    Antworten
  10. Symm
    schrieb am 9. März 2011

    Natürlich verändert man sich im Laufe des Lebens, gerade zwischen 20 und 30 lässt man oft mal von den “Jungendsünden” ab. Oder man tritt etwas auf die Bremse. Ein Neuanfang ist interessant und bringt immer neue Seiten. Man trauert vielleicht in manchen Momenten den guten Alten Zeiten nach. Aber wenn man dann wieder ehrlich ist, weiss man, man hat den richtigen Schritt getan.

    Antworten
  11. abraxandria
    schrieb am 9. März 2011

    kenn ich!
    ich habe mich schon vor jahren aus der schwarzen szene verabschiedet.
    ja, man entwickelt sich weiter…
    trotzdem gehört sie zu mir, ist teil meines lebens.
    und ich höre auch weiterhin di emusik und gehe ab und zu auf parties.
    nur nicht mehr so extrem.
    ja, man wird älter. ;) lach.
    der ausstieg hat mir gut getan!

    so wünsche ich dir nun auch alles gute!

    Antworten
  12. Lordy
    schrieb am 10. März 2011

    @Symm: Das Trauern kommt vielleicht noch in ein paar Wochen. Momentan bin ich mehr als froh. Wobei ich das alles nie als “Jugendsünde” abtun würde… diese Umschreibung war mir bisher nämlich schon immer zuwider xD. Aber mal sehen… wie es nun weitergeht… :D.

    @abraxandria: Dann haben wir ja in der Beziehung eindeutig etwas gemeinsam. Und vielen, vielen Dank =).

    Antworten
  13. Gothfrosch
    schrieb am 12. März 2011

    Oh ja, ich weiß wovon du redest. In 7 Jahren hat sich da auch aus meiner Sicht einiges geändert. Habe mich auf meinem Blog auch schon damit beschäftigt.
    Wenn ich manchmal schon die “Überläufer” der Szene vor einem Club sehe, mag ich schon gar nicht mehr hereingehen. Aber man tut es doch immer wieder. Ist halt so wie mit dem Rauchen.
    Außerdem muss man ja nicht mit einem Umhängeschild auf der Brust herumlaufen. “Hey, guck mal ich bin aus der schwarzen Szene.”
    Was man ist und wie man ist, bleibt einem eben selber überlassen, egal ob es vielleicht surreal ist. ;)

    Antworten
  14. Fredde
    schrieb am 12. März 2011

    Schade, aber hauptsache du fühlst dich wohl dabei!
    Vielleicht kommste ja trotzdem nochmal mit, wenn irgendwo was ist ;)
    Der schwarze Maik wird mir wohl ein wenig fehlen…

    Antworten
  15. Sebastian
    schrieb am 12. März 2011

    @Lordy: Dieses sich entwickeln kenne ich ein wenig, wenn auch aus der Fußballfanszene heraus.
    Früher kein Spiel verpasst, bei Aktionen und Auswärtsfahrten mitgemacht und heute interessiere ich mich zwar immer noch für den Verein, bin aber nicht mehr aktiv dabei, nicht mehr wirklich im Stadion, vielleicht ein Spiel im Jahr.

    Man wird halt auch irgendwie älter und die Interessengebiete und Schwerpunkte des Lebens wandeln sich hier und da ein wenig.

    Antworten
  16. Lordy
    schrieb am 12. März 2011

    @Gothfrosch: Also… meine Meinung über die Szene hat nichts mit den Veränderungen der Szene selbst zu tun… so ist das nun einmal… ich finde es auch nicht schlimm, dass die Masse an Cybers zunimmt oder so… vollkommen in Ordnung… ich selbst habe ich mich wohl einfach so verändert, dass ich da einfach auch so nicht mehr hinein passe xD.

    @Fredde: Wenn irgendwo was Spannendes ist, kannst du mir ja mal Bescheid geben… ich verfolge das nämlich nicht mehr ;). knuddel

    @Sebastian: Da kann ich jetzt nur zustimmend nicken. Sonst fällt mir da nix mehr zu ein. Vollkommen richtig ;).

    Antworten
  17. Vermisst du nicht hin und wieder die Schwarze Szene, Maik? | Lordys Weblog
    schrieb am 30. Mai 2011

    [...] zu tun habe. Vor mehr als zwei Monaten habe ich mich “offiziell” und für alle sichtbar von der Szene verabschiedet. Davor hatte ich mich über Monate hinweg eher still und leise davon gestohlen und meinen Abschied [...]

  18. Ich mag die Musik der Schwarzen Szene auch heute noch! Ich höre sie nur einfach nicht mehr! | Lordys Weblog
    schrieb am 21. August 2011

    [...] ich irgendwann im März der Schwarzen Szene öffentlich den Rücken kehrte, änderte sich mein Leben. In vielerlei [...]

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Über Lordy

    Jahrgang 1986, Student an der Ruhr-Universität Bochum, wohnhaft in Dorsten, dauernd unterwegs, Serien-Junkie, Wii-Freak, Musik-begeistert und leidenschaftlicher BVB-Anhänger.

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