Album des Moments: Kanye West – My Beautiful Dark Twisted Fantasy

Kanye West - My Beautiful Dark Twisted Fantasy

Es ist mal wieder an der Zeit euch mein aktuelles Album des Moments zu nennen. Kein Album habe ich in den letzten Monaten so häufig durchgehört wie Kanye Wests fünftes Studioalbum “My Beautiful Dark Twisted Fantasy”, welches am 19. November 2010 in Deutschland erschien.

Kanye West hat die Musikwelt des letzten Jahrzehnts maßgeblich bestimmt. Vier seiner fünf Studioalben schafften es an die Spitze der US-Album-Charts. Lediglich sein Debüt-Album “The College Dropout” musste sich mit Platz 2 zufrieden geben. In den deutschen Album-Charts reichte es für “My Beautiful Dark Twisted Fantasy” zu Platz 19. Da wäre eindeutig mehr gegangen, aber scheinbar fehlt unseren Mitbürgern der gute Geschmack. Wenn ich so etwas schreibe klingt das gleich ein wenig absurd, naja… “you could leave or live with it”.

Bei den Kritikern kam das Album übrigens bestens an und wurde mit Lob überhäuft. Der Rolling Stone meinte, dass das Album das Beste des Jahres 2010 sei. Joa… so ist das. So etwas kann ich natürlich nicht behaupten, weil mir da total die Kompetenz fehlt. Bisher ist es aber auf jeden Fall mein persönliches Album des Jahres 2011, weil ich es erst Anfang diesen Jahres entdeckt habe. Nun aber ein paar Worte zu den einzelnen Songs, die übrigens perfekt miteinander harmonieren und damit aus dem ganzen Album eine Art Kunstwerk machen, das man einfach mal gesehen beziehungsweise gehört haben muss. Achja, das Album beinhaltet 13 Tracks mit einer Gesamtspielzeit von 68:42 Minuten. Man bekommt also ordentlich was geboten. Und nun… los!

1. Dark Fantasy (4:41) – Begrüßt wird man auf dem Album von Nicki Minaj, die in bester Manier einen Teil von Roald Dahls “Cinderella” zum Besten gibt. Und dann geht es los. “Can we get much higher?” dröhnt aus den Boxen und geht direkt ins Ohr. “Dark Fantasy” ist ein spannender Track, der in sich wahnsinnig viel Dynamik hat. Ein Sinnbild des gesamten Albums. Man ist direkt mittendrin, nicht nur dabei. Einstieg gelungen.

2. Gorgeous (feat. Raekwon & Kid Cudi) (5:58) – Nach einem imposanten Start wird es in “Gorgeous” ein wenig ruhiger. Meiner Meinung nach ist dies einer der schwächeren Tracks auf diesem Album, doch dies bedeutet nicht, dass er schlecht wäre. Im Gegenteil. Er ist gut, aber nicht mega gut. Während man Raekwon, Kid Cudi und Yeezy lauscht, steht allerdings schon langsam die Vorfreude auf ein absolutes Highlight – “Power”.

3. Power (4:52) – Nach “Gorgeous” ein erneuter Stilbruch. Es wird wieder schneller, imposanter, mitreißender, lauter. Der Name des Tracks ist hier Programm. “Power” ist schlichtweg ein Geniestreich erster Güte. Vor allem das Ende fasziniert mich immer wieder auf ein neues. “Now this would be a beautiful death jumpin’ out the window” singt Yeezy in einem wunderbaren Tonfall bevor der Track sich dem Ende neigt und Platz macht für…

4. All of the Lights (Interlude) (1:02) – Ein absolutes Highlight steht bevor und muss gebührend eingeleitet werden – mit Cello. Gelingt perfekt.

5. All of the Lights (feat. Rihanna & Kid Cudi) (5:00) – Für diesen Track lud Yeezy John Legend, The-Dream, Alicia Keys, Fergie, Kid Cudi, Elton John, Ryan Leslie, Tony Williams, Charlie Wilson, Elly Jackson und Rihanna ein und ließ sie einzelne Strophen gemeinsam singen, um so einen einzigartigen Klang zu erhalten. Ist ihm gelungen. Der Song spart absolut an gar nichts. “Turn up the lights in here, baby”…

6. Monster (feat. Jay-Z, Bon Iver, Rick Ross & Nicki Minaj) (6:19) – Mit “Monster” geht es nun wieder in eine gänzlich andere Richtung. Und das wird auch direkt am Text belegt. Wurde in “All of the Lights” das Licht noch angeknipst, so beginnt nun alles mit der Zeile “I shoot the lights out”. Es wird düster. Mir gefällt der Song sehr gut, aber erst ab der Mitte. Vor allem der Part von Nicki Minaj hat es mir echt angetan. Warum? Keine Ahnung. Erklärungen gibt es hierfür wohl eher nicht.

7. So Appalled (feat. RZA, Jay-Z, Prynce Cy Hi, Pusha T & Swizz Beatz) (6:38) – Bei dem Track fällt es mir recht schwer, etwas zu schreiben, denn meist überspringe ich ihn einfach. Er hat bei mir noch nicht so richtig Anklang gefunden. Und wenn ich ihn nicht überspringe, dann läuft er eher nebenher. Begeistern kann er mich nicht. Aber nett anzuhören ist er dennoch.

8. Devil in a New Dress (feat. Rick Ross) (5:52) – Gleiches gilt auch für diesen Song. Er läuft immer nur nebenher. Wenn man mich nach einer Aufzählung der Titel dieses Albums fragt, dann wird dieser Track grundsätzlich vergessen. Er geht ins Ohr, aber bleibt nicht wirklich hängen. Das liegt wohl vor allem an den herausragenden Tracks, die danach noch folgen oder davor schon zu hören waren.

9. Runaway (feat. Pusha T) (9:08) – Zu Beginn hört man nur ein Klavier… langsam, interessant, anders. Gute 40 Sekunden lang. Dann geht der Song langsam aber beständig richtig los. Yeezy übt vor allem Selbstkritik an seiner eigenen Person. Und Pusha T ist ein grandioser Helfer. Dieser Song geht einem nicht mehr aus dem Kopf, wenn man ihn einmal gehört hat. Er ist mein Favorit. Ein Muss. Und er strotzt vor Dynamik. Nach 6 Minuten gibt es einen erneuten Bruch, der in einem Gitarrensolo zum Ausdruck kommt, das seinesgleichen sucht.

10. Hell of a Life (5:28) – Eine geniale Melodie, ein genialer Beat. Nach “Runaway” geht es kraftvoll weiter dem Ende der Platte entgegen und langsam aber sicher stellt sich beim Hörer ein wenig Wehmut ein. Gut, dass man Alben auch öfter hören kann. Auch dieser Track wird nicht langweilig vor lauter Dynamik und Veränderung. Es passt alles.

11. Blame Game (feat. John Legend) (7:50) – Es wird ruhiger, emotionaler, traurig. Eine zerbrochene Liebe… so schmerzhaft, so tragisch, so herzzerreißend. So kommt auch dieser Track daher… da fehlen einem echt die Worte.

12. Lost In the World (feat. Bon Iver) (4:17) – Nach einer Fülle von Emotion geht es mit “Lost in the World” endgültig auf die Zielgrade. Mit Hilfe von Bon Ivers “Woods” erschafft Yeezy ein phänomenales musikalisches Feuerwerk mit den wohl besten Textzeilen, die dieses Album herzugeben hat. Man ist einfach verloren in der Welt und…

13. Who Will Survive In America (1:38) – …ehe man sich versieht befindet man sich nach einem fließenden Übergang im letzten Track des Albums. Ein krönender Abschluss ist Yeezy mit “Who Will Survive In America” gelungen. Es ist ein großartiges Resümee. Einem Meisterwerk würdig. Der Track basiert auf Teilen des “Comment No. 1″ von Gil Scott-Heron, welcher leider gestern im Alter von 62 Jahren verstorben ist. Trauer.

Damit wären wir dann wohl durch. Ich muss zugeben, dass ich hin und wieder echte Schwierigkeiten hatte, wenn es darum ging meine Gedanken zu den einzelnen Songs in Worte zu fassen. Ich denke, dass es mir hinreichend gelungen ist. Hätte aber wohl auch besser klappen können. Egal. Letztendlich wird meine Meinung zu diesem Album wohl jedem irgendwie klar.

Diskussion/Anmerkungen: 5 Kommentare

  1. Vitali
    schrieb am 28. Mai 2011

    Auch für mich das Album des Jahres, obwohl ich es eigentlich schon Ende 2010 gekauft habe :)

    Erwähnenswert ist noch, dass Kanye einen – überraschend ausgereiften – Kurzfilm zum Album gedreht hat, der lange Zeit in HD auf seiner Website zu sehen war und den man u.A. noch bei MTV findet (http://www.mtv.de/videos/22469315-kanye-west-runaway-35-min-film.html , nur halt in bescheidener, zensierter Qualität). Die Songs des Albums kommen darin in leicht modifizierter (Darf Fantasy) bis stark abgeänderter (Power komplett improvisiert) Form vor und gefallen mir eigentlich sogar noch besser als auf dem Album.

    Ich hoffe, dass “All of the Lights” noch als Single veröffentlicht wird. Hat absolutes Chart-Potential (wenn auch für die breite Masse eher durch Rihanna, deren penetrante Stimme mich hier zur Abwechslung mal NICHT nervt), und dass ein Musikvideo dazu abgedreht wurde, lässt hoffen.

    “Runaway” hat mit der modulierten Gitarre am Ende absolut nichts mehr mit Hip-Hop zu tun. Ich hätte nie gedacht, sowas nochmal in der Populärmusik zu finden.

    Möge Gil-Scott Heron, der das Album gebührend ausklingen lies, in Friede ruhen. “Lost in the World” und “Who Will Survive in America”, die ja quasi EIN Guss sind, sind mittlerweile unter meinen Lieblingssongs aller Zeiten.

    Antworten
  2. Basti
    schrieb am 29. Mai 2011

    Power ist mein BEST SONG EVER SONG!

    Antworten
  3. Lordy
    schrieb am 29. Mai 2011

    @Vitali: Der Kurzfilm ist einfach nur göttlich. Aber das wissen wir ja. “All of the Lights” wurde ja in den USA, in Großbritannien und so schon am 18. Januar 2011 als Single veröffentlicht – nur in Deutschland wartet man darauf… warum auch immer?! Kennst du Gründe? Weil selbst die Österreicher und die Schweizer kamen in den Genuss. Und Gil-Scott Heron werden wir auch noch hin und wieder ehren in den nächsten Monaten. Geht klar, nicht wahr?

    @Basti: Wie gut ich das nachvollziehen kann <3.

    Antworten
  4. Gast-Artikel bei Konna (Gedankendeponie) | Lordys Weblog
    schrieb am 13. September 2011

    [...] Das Album habe ich übrigens bereits hier als Album des Moments [...]

  5. Blog-Parade: Musik des Jahres 2011 | Lordys Weblog
    schrieb am 3. Januar 2012

    [...] Mein Album des Jahres 2011: Da gibt es nur eines, das diesem Titel gerecht werden kann. Und zwar: Kanye Wests “My Beautiful Dark Twisted Fantasy”. Zwar bereits im November 2010 erschienen, doch für mich eines der wohl wichtigsten Album in letzter Zeit. Einfach toll. Mehr dazu hier. [...]

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