Doktortitel-Domino in Politikerkreisen
Es ist schon erschreckend, was da in den letzten Monaten passiert. Erst gab es den Skandal um die Doktorarbeit eines gewissen Guttenberg, dann folgte der nächste um Koch-Mehrin und nun hat sich FDP-Mann Jorgo Chatzimarkaki ins Rampenlicht getanzt, da auch ihm der Doktorgrad aberkannt wurde. Der philosophischen Fakultät der Universität Bonn war nach einer sorgfältigen Überprüfung aufgefallen, dass die Doktorarbeit die Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens verletzt. Warum? Übernahme von Passagen aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten ohne ausreichende Kennzeichnung. Oder kurz: Plagiat. Chatzimarkaki selbst soll laut den von mir gelesenen Berichten über eine missverständliche Zitierweise gesprochen haben, die allerdings auch schon zu Zeiten der Benotung vor 11 Jahren bekannt war. Okay.
Ich weiß gar nicht, was einen an dieser ganzen Sache am meisten ärgern soll. Die Tatsache vielleicht, dass diese Meldungen mittlerweile Alltag sind und man als Bürger nur noch resignierend mit der Schulter zuckt und sich beim Gedanken, dass die unser Land regieren, nur noch der Wunsch aufdrängt schnellstmöglich mit maximaler Kraft den Kopf auf den Tisch zu hauen? Oder die Tatsache, dass diese Doktorarbeiten vor Jahren allesamt von den Prüfern durchgewunken wurden, um nun als plagiativ entlarvt zu werden? Oder die Tatsache, dass mir solche Fehler nicht einmal im ersten Semester passiert wären, während andere so ihre Doktorarbeiten schreiben und damit dann sogar durchkommen? Echt, keine Ahnung. Vielleicht von allem ein wenig. Und wohl auch noch ein bisschen mehr.
Ich hatte in den ersten zwei Semestern meines Studiums so ein Tutorium. In diesem mussten wir jede Woche Zitieren üben, damit wir die Zitierweise zu jeder Art von “Quelle” im Schlaf beherrschen. Man kann mich nachts wecken, mir eine x-beliebige Textpassage nennen und ich weiß direkt, wie das Ganze zu zitieren ist. Im Text. In der Fußnote. Im Literaturverzeichnis. Bäääm! Damals hasste ich die Tutoren dafür, aber mittlerweile denke ich mir: “Vielleicht hatten die ja eine dunkle Vorahnung!” Heute bleibt mir wohl nichts anderes übrig als mich für diese “Quälerei” zu bedanken.
Vielleicht sollte ich ja Nachhilfe geben. Also: Wenn ein Politiker in der nächsten Zeit vor hat eine Doktorarbeit zu verfassen, dann möge er mir eine Mail schreiben und ich lasse mich als wissenschaftliche Nachhilfe engagieren. Ich bin auch nicht sonderlich teuer. Ist mit einem Politikergehalt auf jeden Fall zu bezahlen. Ehrlich. So gerade eben. Und wenn gewollt, helfe ich auch gerne noch in politischen Fragen. Kann ja sein, dass da auch noch Bedarf an Nachhilfe besteht. So hin und wieder versteht sich. Nur dann wird es richtig teuer.
Ist übrigens spannend: Wie viele werden noch ihren Doktortitel verlieren? Wie geht die ganze Sache weiter? Was wird da noch folgen? Naja, eigentlich will ich das gar nicht mehr wissen. Ist zu ätzend. Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass das nicht nur für die Doktorarbeiten von Politikern gilt. Wenn man graben würde, würde man sicherlich auch bei anderen so manche Untat finden. Aber wer will das schon? Ist doch alles viel zu deprimierend. Und deshalb höre ich jetzt auch einfach auf und drücke auf den Button “Publizieren”. Jo!






schrieb am 13. Juli 2011
Ich finde folgende 2 Punkte eigentlich am bittersten:
1. Guttenberg musste wegen den Plagiatsvorwürfen zurücktreten und Koch-Merin wird Vollmitglied im Ausschuss für Industrie, FORSCHUNG und Energie des Europäischen Parlaments. Da ist sie ja genau richtig besetzt…nicht.
2. Die Doktorarbeiten wurden damals alle durchgewunken. Also entweder hatten die damals keinen Bock die genau zu prüfen, wurden bestochen oder was weiß ich was. Sowas ist echt traurig. Und jeder normale Student bekommt beim kleinsten Zitatfehler den Kopf abgerissen ;)
schrieb am 13. Juli 2011
@CherryCoke: Guttenberg hatte die Arschkarte als Erster überführt worden zu sein. Da war der Druck der Öffentlichkeit noch größer. Heute wird halt nur noch mit dem Kopf geschüttelt und… joa… dann wird die Sache schnell verdrängt und vergessen. Und ich finde es super, dass einem als Student der Kopf abgerissen wird, wenn man falsch zitiert, denn: Wenn man von Beginn an so gedrillt wird, dann macht man das sicherlich nicht mehr falsch. Und man kann sich, wenn man es macht, hinterher nicht mit “Oh, da hab ich aus Versehen falsch zitiert” argumentieren ;).
schrieb am 13. Juli 2011
Ok, mit dem “Kopf abreißen” geb ich dir Recht.
Aber dass die Koch-Merin sogar noch nen höheren Posten erhält kann ich einfach nicht verstehen…
schrieb am 14. Juli 2011
@CherryCoke: Kann wahrscheinlich niemand so recht verstehen ;).
schrieb am 14. Juli 2011
Echt guter Artikel, Daumen hoch :)
schrieb am 14. Juli 2011
Ich gehe soweit dacore, was das mangelnde wissenschaftliche Arbeiten angeht, ich halte es nur für eine Hetzjagd auf die, die im öffentlichen Leben stehen, eine Art Rufmord-Aktion, ein Anprangern seitens Presse und gelangweilten linksstehenden Studenten oä. (bewust provozierend). *dislike
schrieb am 15. Juli 2011
@Leeri: Danke. Hin und wieder gelingen mir sogar mal “gute” Artikel *lach* ;).
@Bomel: Eine Hetzjagd? Wirklich? Hm… so ganz kann ich mich deiner Meinung nicht anschließen. Aber muss ich ja zum Glück auch nicht :).