Es ist übrigens nicht schwachsinnig gegen Castor-Transporte zu demonstrieren!

Ich möchte hier nur mal ein ganz kurzes Statement abgeben. Also wirklich “ganz kurz”. Gibt also keinen Anspruch für Vollständigkeit oder so etwas in der Art. Okay, also: In den letzten Tagen konnte man vermehrt vernehmen, dass es mittlerweile ja schwachsinnig sei gegen Castor-Transporte zu demonstrieren, da der Atomausstieg in der Bundesrepublik Deutschland bekanntlich beschlossene Sache sei. Nun denn. Genau diese Meinung finde ich schwachsinnig, wenn ich das mal sagen darf.

Denn: Zwar ist der Atomausstieg (haha!) auf den Weg gebracht, aber eine ganz entscheidende Sache ist bis heute noch nicht wirklich gelöst. Die Frage der Endlagerung. Wir wissen immer noch nicht, wo der ganze hochradioaktive Abfall so lang gelagert werden soll bis er irgendwann eine Strahlung aufweist, die nicht mehr gefährlich ist. Also so über den Daumen gepeilt eine Million Jahre.

Der Salzstock in Gorleben ist als Lösung momentan eher ein schlechter Scherz. Die Standortauswahl in den 70er Jahren war nicht transparent. Bis heute weiß man nicht, wie genau es zu dieser Wahl kam. Aber nichtsdestotrotz wird seitdem der Salzstock erforscht. Mit Unterbrechungen. Und mangelhaften Ergebnissen, die in Berichten niedergeschrieben wurden, die scheinbar niemanden so recht interessieren. Doch an Alternativen wurde lange Zeit nicht gedacht. Ton-Vorkommen in Bayern untersuchen? Öh, nein. Denn da will den Müll scheinbar keiner. Aber auf Kernkraft wollten die da sicher auch nicht verzichten. Nun gut. Vor zwei Wochen oder so war nun zu lesen, dass sich Bund und Länder nun doch – diesmal transparent – um neue Standorte bemühen wollen. Aber hier muss meiner Meinung nach aus dem Wille erst einmal ein Handeln werden. Da bin ich aber mal gespannt. Gorleben wird übrigens erstmal weiter erkundet. Man weiß ja nicht, was aus der neuen Standortsuche so wird. Ist ja alles gar nicht so leicht, wie man in den letzten knapp 40 Jahren bewiesen hat. Übrigens ist das überirdische Zwischenlager in Gorleben, wo auch der aktuelle Castor-Transport sein Ende findet, nur für einen sicheren Betrieb von 40 Jahren ausgelegt. Fast die Hälfte der Zeit ist bereits verstrichen…

Nun gut… um diesen Artikel abzuschließen: Solang die Endlagerung der radioaktiven Abfälle nicht gesichert und entschieden ist, lohnt es sich meiner Meinung nach gegen Castor-Transporte zu demonstrieren. Denn nur so bleibt dieses Problem im Speicher des kollektiven Gedächtnisses überhaupt bestehen. Ansonsten würde es wohl wie so oft heißen: Aus den Augen, aus dem Sinn. Und in diesem Sinne… schönen Abend noch.

Diskussion/Anmerkungen: 4 Kommentare

  1. Bomel
    schrieb am 29. November 2011

    Wäre es dann aber nicht sinniger an einer anderen Stelle zu demonstrieren? Denn gegen den Transport von a nach b oder gegen den Müll kann man ja so gesehen nicht demonstrieren. Ohne Transport bleibt der Müll halt bei a -> sinnlos. Und der Müll ist nun mal auch da und läst sich nicht weg-meckern.
    Klar, gegen Atomkraft kann und sollte man (immer?) demonstrieren und klar geht da immernoch viel zu viel nicht mit rechten Dingen zu (fehlendes Endlager, zu langsamer Ausstieg, Ausstieg in anderen Ländern?), dennoch halte ich die Materialschlacht an der Eisenbahnstrecke und das Demonstrieren des Demonstrationswillen wegen, respektive das Demonstrieren gegen etwas an diesem Ort nicht so oder gar nicht Existenten für mehr als zweifelhaft und sinnlos.

    Antworten
  2. Lordy
    schrieb am 3. Dezember 2011

    @Bomel: Wo wäre es denn deiner Meinung nach sinnvoller? Bin mal gespannt, ob dir da was einfällt. Der Transport eignet sich nämlich deswegen

    a) weil er medienwirksam ist und die Leute interessiert,
    b) weil ein Aufhalten des Transportes Geld kostet,
    c) weil man ihn so künstlich verlängert,
    und d) somit auch die Medienwirksamkeit der Demonstration immer größer wird.

    Man zwingt die Politiker und andere Akteure so zum Handeln, weil für wenige Tage jeder genau dorthin schaut. Was hätten die Demonstranten denn davon an irgendeinem anderen Ort zu demonstrieren? Würde doch wahrscheinlich niemanden interessieren. Klar ist der Müll da und man kann ihn nicht wegmeckern, aber man kann versuchen dafür zu sorgen, dass mit dem Müll sinnvoller umgegangen wird. Die Politik und die Atomlobby schieben den Müll in Zwischenlager und dann… aus den Augen, aus dem Sinn. Was ist schlimmer?

    Und ich glaube nicht, dass es sich da um “Demonstrieren des Demonstrationswillens” handelt. Aber sehr interessante Meinung deinerseits. Danke dafür ;).

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  3. Jana
    schrieb am 25. Dezember 2011

    Ich sag einfach mal “LIKE”.
    Ich sehe das genauso. Ich bin auch der Meinung, dass das Demonstrieren nicht aufhören sollte, denn mehr kann ich als kleiner Mensch ja nicht tun. Auch wenn es kurzfristig dein Eindruck macht, als würde Demonstrieren nichts bringen, so glaube ich, dass es langfristig eine Wirkung hat. Es bleibt im Kopf.
    Auch wenn wirklich schnelle Handlungen offensichtlich nur durch Unfälle oder Zwischenfälle zustande kommen… Die kann man nur leider nicht so richtig beeinflussen.

    Antworten
  4. Lordy
    schrieb am 27. Dezember 2011

    @Jana: Ha, wir sind was dieses Thema angeht, wohl eindeutig einer Meinung. :D

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