Mein Dorsten: Dorsten im Mittelalter

Schematische Abbildung Dorstens um 1633

In der letzten Woche habe ich angekündigt, dass ich ab nun viel mehr über meine Heimatstadt schreiben möchte. Und zwar in der Serie “Mein Dorsten”. Und damit möchte ich nun beginnen. Da ich vor einiger Zeit in einer Veranstaltung an der Universität über Dorsten im Mittelalter referieren musste, habe ich mich natürlich intensiv mit der Geschichte dieser doch so schönen Stadt beschäftigt.

Eine Stadt, die in mittelalterlichen Urkunden meist “Durstine” oder “Durstene” genannt wird. Bis in das Jahr 1251 hinein ist das als “Durstine” benannte Gebiet Eigentum des Viktorstiftes Xanten und der Graf von Kleve ist der zuständige Vogt. Die Bedeutung des Gebietes ist extrem hoch, da wichtige Handelswege zwischen den anderen Städten der Umgebung (Essen, Bottrop, Köln, Münster, Recklinghausen) durch “Durstine” führen. Auch die gute Lage am Fluss mit dem Namen Lippe macht “Durstine” interessant. Nicht zuletzt, weil in dem Gebiet eine der wenigen Brücken, die über den Fluss führen, existiert.
Nachdem der Graf von Kleve und der Graf von der Mark im Jahr 1226 die Stadt Hamm und 1241 Wesel gegründet haben, möchte auch der dritte Große in dieser Region dafür sorgen, dass er eine Stadt in diesem Gebiet beherrscht. Und so will der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden “Durstine” zu einer Stadt ausbauen. 2 Urkunden, die eine betrifft den Vogt Graf von Kleve und die andere das Viktorstift in Xanten, zeugen davon, dass der Kölner Erzbischof im Jahr 1251 dem Gebiet das Stadtrecht verleiht. Es entsteht die Stadt Dorsten.
Bis in das Jahr 1260 hinein wird für eine erste Befestigung der Stadt gesorgt. Nicht mit Steinen, sondern mit Holz und Erde. Nach der Fertigstellung sind 3,5 Hektar Gebiet als “befestigt” anzusehen. Im Jahr 1275 wird eine Münzstätte gebaut, die fortan für die Prägung des “Dorstener Pfennig” verantwortlich ist. Die ersten Schritte zu einer richtigen Stadt werden also nur wenige Jahre nach der Vergabe des Stadtrechts gegangen.

Der Erzbischof von Köln hat dem Grafen von Kleve 1251 zugesichert, dass Dorsten im Falle von Konflikten neutralisiert werden würde. Dies kümmert den Grafen in der Zeit von 1297 bis 1306 jedoch nicht und er nimmt die Stadt ein, zerstört die Befestigungen und sorgt so dafür, dass der Erzbischof vorerst keine Macht mehr über die Stadt besitzt. Dorsten ist hier Spielball zweier Mächte, die sich aufgrund gänzlich anderer Gründe bekriegen. Nachdem der Konflikt im Jahre 1306 beigelegt wird gliedert sich Dorsten aber erneut in den Machtbereich des Erzbischofs ein.
Nachdem die Befestigung der Stadt mit Holz und Erde von 1260 zerstört wurde, wird 1344 erneut eine Befestigung der Stadt fertig gestellt. Dieses Mal in Form einer Stadtmauer, die 11,8 Hektar Land “befestigt” und eine Bauzeit von 28 Jahren in Anspruch nahm.
Da die Stadt bisher zum Großteil noch Eigentum des Viktorstiftes ist beginnt sie vor allem im 14. Jahrhundert kontinuierlich selbst Grundeigentümer zu werden und bringt durch zahlreiche Ankäufe immer mehr Land in den eigenen, städtischen Besitz. Für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgt dann die Mitgliedschaft in der Hanse. Auf den Hansetagen ist Dorsten allerdings nicht selbst vertreten. Die Vertretung übernimmt die Stadt Dortmund. Durch den nun stark zunehmenden Handel und durch den Schiffsbau schafft es die Stadt Dorsten ein enormes Vermögen anzuhäufen und für Händler und andere Gruppen immer attraktiver zu werden.
Dies zeigt sich zum Beispiel auch durch die Gründung eines Franziskanerklosters im Jahr 1488. Zum Ausgang des Mittelalters – also im 16. Jahrhundert – ist Dorsten die reichste Stadt im Vest Recklinghausen und gilt als bedeutender Standort im Umkreis.

Dorsten wird also 1251 gegründet, zu einer kleinen Stadt ausgebaut, dann aber durch Konflikte wieder zurückgeworfen. Nach dem vollendeten Bau der Stadtmauer, dem Erwerb von Grundbesitz im 14. Jahrhundert und durch den Eintritt in die Hanse wird Dorsten allerdings immer bedeutender und attraktiver. Meiner Meinung nach eine sehr spannende Entwicklung… es hat mir persönlich auch richtig gut gefallen damals mal ein wenig in die Lokal-Geschichte einzusteigen und sich mit der Stadt zu beschäftigen, die man als Heimat anerkennt.
Habt ihr euch auch schon einmal mit eurer Stadt, der Gründung oder bestimmten geschichtlichen Epochen dieser beschäftigt? Also: Seid ihr auch interessiert an der Geschichte eurer Stadt?
Und ich hoffe doch mal, dass ich euch da draußen nicht zu sehr gelangweilt habe.

Hitler/Stalin – Porträt einer Feindschaft

Hitler und Stalin - Porträt einer Feindschaft

In den letzten Tagen wurde auf ARTE das neue dokumentarische Werk von Grimmepreis-Träger Ullrich H. Kasten ausgestrahlt. Eine (klassische) Dokumentation, die sich von dem, was man inzwischen gewohnt ist, abhebt. Denn allein Fakten und Archivaufnahmen sind das Mittel zur Wissensvermittlung, zur Darstellung der Beziehungen von Adolf Hitler und Josef Stalin. Verzichtet wird auf Zeitzeugen oder die Aussagen von Experten. Genauso, wie man auf aufwendige Computeranimationen verzichtet. Das allein bereitet der Dokumentation einen in dieser Zeit so besonderen Charme.
Adolf Hitler und Josef Stalin stehen für zwei unterschiedliche Systeme. Rassenwahn und Klassenkampf. Und obwohl ihr Kampf gegeneinander die Welt für mehrere Jahre bestimmt, treffen sich Hitler und Stalin nie persönlich. Die Dokumentation schafft es dennoch die Sicht des einen auf den jeweils anderen zu verdeutlichen, denn Schriftzeugnisse und Aussagen über den Gegner gibt es genug. Und diese sind wahnsinnig interessant.
Die Dokumentation beginnt mit dem 22. Juni 1941, dem Datum der ersten deutschen Angriffe auf die Sowjetunion und zeigt nun die voranrollende Offensive mit ihren Erfolgen. Hitler “jubelt” und Stalin fällt in eine tiefe Depression. Er hatte, wie man gezeigt bekommt, nicht mit einem Angriff gerechnet und war auch nicht auf selbigen vorbereitet. So gelingt den Deutschen auch der Sieg in so gut wie jeder Schlacht.
Danach dreht sich bekanntlich die Gunst, denn mit der Kapitulation der Deutschen in Stalingrad im Jahr 1943 findet der sogenannte “Seitenwechsel der Depression” statt. Nun “jubelt” Stalin und Hitler verliert das so wichtige Band zur Realität.
Wenn jemand Interesse an dieser Zeit hat und sich gerne damit beschäftigt, dann sollte diese Dokumentation auf jeden Fall gesehen werden. Vor allem, weil sie ein wirklich gutes Bild über die Beziehungen der beiden zueinander und über deren eigene Selbstsicht zeigt. Und hinzu kommt dann noch, dass sie einfach anders ist als das, was man gewohnt ist. Was auch ziemlich erfrischend sein kann. Wobei ich gestehen muss, dass ich da auch kurze Zeit brauchte, um mich auf diese Art einzustellen.

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Mehr Informationen: Ein interessanter Artikel mit Bildmaterial findet sich auf m&c; Ab dem 24.04.2009 ist die Dokumentation auch als DVD zu erwerben.

Das große Spiel von Rom im Jahr 1990

Der Jubel nach dem WM Sieg 1990

Vor einiger Zeit hatte ich mit diesem Artikel bei der Blog-Parade von a blog about nothing mitgemacht. Es ging darum die Aufstellung der deutschen Fussball-Nationalmannschaft für die WM 2010 in Südafrika zu tippen. Nun gibt es auch eine Auswertung, die ganz spannend ist.
Hier kurz die Aufstellung, wie sie von den Teilnehmern gesehen wurde: Adler – Friedrich, Mertesacker, Westermann, Lahm – Rolfes, Schweinsteiger, Özil/Trochowski, Ballack – Klose, Gomez. Und ich bin auch nicht weiter überrascht, dass diese Aufstellung nahe an das herankommt, was ich mir gedacht hatte.
Und im Zuge dieser Auswertung wurde bekanntgegeben, dass ich eine DVD mit dem Endspiel der WM 1990 gewonnen habe. So erklärt sich auch das Foto da oben, das nämlich den Jubel nach dem Endspiel und dem 1:0 Erfolg über Argentinien zeigt.
Und gestern muss wirklich mein Glückstag gewesen sein, denn das Los in einem anderen Gewinnspiel hat ebenfalls meinen Namen verraten und so habe ich auch noch die EP “Maschinenkind” von Caputt (Review) bei einem Gewinnspiel von Schwarze News ergattert.
So könnte eigentlich jeder Tag sein, oder?

Gerade gesehen: Ian Kershaw, ein Idol

Ian Kershaw

Vor gut einer Stunde wollte ich den Fernseher eigentlich schon ausschalten, aber dann blieb ich bei der Sat.1-Produktion “News and Stories” hängen, wo eines meiner größten Idole, der englische Historiker Ian Kershaw, interviewt wurde. Es ging in dem Interview um sein 2008 erschienenes Werk “Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg”. In diesem beleuchtet er vor allem den Dezember 1941 als Wendepunkt des Krieges. Die Kriegserklärung Hitlers an die USA, der Ostfeldzug gegen Russland, der angelaufen war, und die weiteren Konstellationen werden beleuchtet. Ian Kershaw stellt in dem Buch auch die Fragen, wie der Krieg gelaufen wäre, wenn bestimmte Dinge anders entschieden und vollzogen worden wären. Sehr interessant. Genauso, wie das Interview. Das Buch muss ich mir auch noch bei Zeiten holen, da ich es total interessant finde. Die “was wäre wenn”-Frage mal historisch durchleuchtet von jemandem, der sich mit der Materie bestens auskennt und der somit ein paar Variablen weniger hat als der Otto-Normal-Mensch. Spannend.
Ebenso, wie die Hitler-Biographie, die Kershaw geschrieben hat. Denn als ich sie letztens in der Hand hatte und mir 30 Seiten aus den letzten Stunden Hitlers durchgelesen hatte, da war mir klar, dass ich auch noch den Rest lesen muss. Mal sehen wann ich dazu komme.
Würde ich in der Wissenschaftsdisziplin Geschichte forschen wollen, dann wäre das Dritte Reich wohl auch mein Forschungsgebiet. Und genau darum ist er eines meiner großen Idole. Er war mal Gastprofessor an der Ruhr-Universität. Leider vor meiner Zeit. Aber immerhin. Für mich ist Ian Kershaw neben Peter Longerich, einem deutschen Historiker, den ich auch schon mal bei einem Vortrag live und in Farbe gesehen habe, ein ganz großer Historiker.
Was man nicht alles nach Mitternacht noch erleben kann. Gut, dass ich den Fernseher nach Navy CIS nicht direkt ausgeschaltet habe. Glück gehabt…

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Quelle des Fotos

Zeitungszeugen: Ausgabe 4 wieder komplett

Zeitungszeugen: Ausgabe 4 wieder komplett

Heute am Kiosk war sie dann wieder mit vollem Inhalt zu haben. Die aktuelle Ausgabe der Zeitungszeugen. Ich habe ja hier und da schon über die Ausgaben berichtet. Nr. 1 kommt auf den Markt und es scheint noch alles gut, Nr. 2 wird nach kurzer Zeit wieder zurückgezogen, Nr. 3 taucht ohne Nachdrucke auf und nun ist Nr. 4 wieder komplett. Das ist vielleicht ein Hin und Her.
Ich bin gespannt welche Wendungen das noch so nimmt. In der 4. Ausgabe sind übrigens die “Nationalzeitung” aus Essen und “der Mittag” enthalten. Thema dieses Mal: Der Boykott gegen jüdische Geschäfte, Anwälte, Ärzte und so weiter. Wie immer interessant.

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