Studiengebühren – Meine Bilanz (Teil 4)

Da ist er auch schon. Mein vierter Artikel zur persönlichen Bilanz bezüglich der Erhebung von Studiengebühren. Doch ich habe mich kurzfristig entschieden diesen Teil anders zu füllen als angekündigt. Ich möchte nun noch nicht auf darauf eingehen, wie an der Ruhr-Universität Bochum von Seiten der Studenten versucht wird die Studiengebühren zu senken oder abzuschaffen, sondern ich möchte auf etwas eingehen, was vor wenigen Tagen an mich herangetragen wurde. Aber bevor ich da nun loslege möchte ich kurz noch einmal auf die anderen Teile verweisen. Auf den ersten Teil mit allen wichtigen Basis-Informationen, auf den zweiten Teil, der von der Verwendung der Gebühren handelt, und auf den dritten Teil, welcher aufzeigen sollte, wie kostspielig ein Studium eigentlich ist.
So. Vor einigen Tagen hat ein Kommilitone zu mir gesagt: “Schon davon gehört, dass die Universitäten nun auch Förderwerke einrichten, die dann Stipendien an begabte Studenten verteilen?”. Bis dahin hörte es sich ja noch richtig gut an, doch bevor ich “Na, ist doch super!” antworten konnte fügte er hinzu: “Stipendien, die aus Studiengebühren finanziert werden!”. Oh… in dem Moment war ich mehr oder weniger geschockt. Warum? Erinnern wir uns noch einmal daran, wie die Erhebung von Studiengebühren geregelt ist. “Studiengebühren dienen der Verbesserung der Lehre” und alle sollen davon etwas haben. Nun gut.
Stipendien werden an besonders begabte Studenten mit guten Noten verteilt, damit sie ihre Leistungen weiter steigern können. 300 Euro im Monat sind solche Studenten den Förderwerken meist wert. Alle zahlen 500 Euro pro Semester und wenige bekommen 300 Euro pro Monat wieder zurück. Das könnte man noch verstehen, wenn es darum ginge, dass Leuten geholfen wird, die sonst nicht so gute Leistungen erbringen könnten. Doch diese Stipendien sind nicht an die finanzielle Lage gekoppelt. So bekommen Studenten, die überdurchschnittlich gut sind, 300 Euro pro Monat und es ist vollkommen egal, ob sie dies Geld brauchen oder nicht. Während so mancher nicht weiß, wie er die Studiengebühren aufbringen soll, bekommen andere für gute Noten Geld geschenkt, das sie wohl möglich gar nicht brauchen. Eine soziale Ungerechtigkeit, oder?
Wenn man weiter darüber nachdenkt, dann wird es sogar noch offensichtlicher, dass es sozial nicht gerecht ist, denn: Gute Noten und tolle Leistungen hängen oft damit zusammen, dass man genügend Zeit zum vorbereiten, nachbereiten, einlesen etc. hat. Studenten, die Tag für Tag arbeiten müssen, damit sie ihren Lebensunterhalt und Studiengebühren finanzieren können, haben in der Regel weniger Zeit für solche Dinge als Studenten, denen das Geld quasi “in den Schoss fällt”.
Die Rechnung fällt leicht. Es profitieren auf keinen Fall alle. Wenn man genauer darüber nachdenkt, dann scheint es eher so als würden die profitieren, die eh schon “genug” haben, während die, die es brauchen könnten, im Stich gelassen werden. Und das Tragische. Sie zahlen mit.
Natürlich ist das nun eine sehr negative Sicht der Dinge. Ich habe mit Sicherheit auch nicht alle Punkte durchleuchtet und bin auch nicht über jedes Detail informiert, aber das, was ich bisher darüber gelesen und gehört habe, klingt für mich einfach nach einer Ungerechtigkeit, die es nicht geben sollte. Das Studium wird eh immer mehr zu einem Kostenfaktor und Statistiken belegen, dass der Großteil der erfolgreichen Studenten aus Elternhäusern mit guten finanziellen Möglichkeiten kommen. Irgendwie kommt einem das dann ein wenig komisch vor. Wie seht ihr das? Findet ihr das auch ungerecht oder könnt ihr meine Argumentation nicht unterstützen. Ich bin für jede Art der Meldung bereit und freue mich auf eure Meinungen. Also… schreibt sie doch nieder, wenn ihr wollt.

Hier schreibt Lordy, Jahrgang 1986, männlich, Single, Student der Geschichtswissenschaft und kath. Theologie an der Ruhr-Universität Bochum, wohnhaft in Dorsten (nördliches Ruhrgebiet), Gothic, abenteuerlustig, dauernd unterwegs, Serien-Junkie, Wii-Freak, Wrestling-Fan, Twitter-süchtig und BVB-Anhänger. 



