
Heutzutage wird bei Referaten zur visuellen Unterstützung nicht mehr eine Folie auf den Overhead-Projektor gelegt, sondern es wird gleich eine riesige PowerPoint-Präsentation aufgefahren. Mit bunten Bildchen, blinkender Schrift und schrecklichen Farbkombinationen wie grüne Schrift auf rotem Grund. Jeder muss schließlich beweisen, dass er Eier in der Hose hat ein wenig mit der heutigen Technik umgehen kann. Es sei allen gegönnt.
Aber ich muss immer wieder lachen, wenn die Leute dann ihren eigenen Notebook mit zur Universität bringen, diesen an den Beamer anschließen und alle interessiert Dreinschauenden einen sehr aufgeräumten Desktop zu Gesicht bekommen. Es gibt scheinbar sehr viele Fans der Standard-Hintergrundbilder von Microsoft, denn diese sind meiner Erfahrung nach wirklich dominierend und vorherrschend. Jeder kennt ja zum Beispiel den Hintergrund da oben, aber seien wir doch mal ehrlich… das Ändern des Hintergrundbildes ist eine der ersten Handlungen jedes Menschen, der länger an einem PC arbeiten will. Oder? Bei so manchem Studenten trifft diese ungeschriebene Regel scheinbar aber nicht zu. Da sieht man dann einen solchen Hintergrund, 3 Symbole (Arbeitsplatz, Papierkorb, Eigene Dateien) und eine aufgeräumte Taskleiste. Keine Verknüpfungen zu Spielen, keine versauten Datei- und Ordnernamen und auch keinerlei persönliche Angaben, Notizen oder Sonstiges. Wie gerade neu gekauft…
Natürlich kann man das auch gut verstehen. Schließlich geht es um eine Veranstaltung an der Universität. Und da sitzt ja auch ein Dozent, der sicherlich keine Porno-Bildchen als Hintergrundbild sehen will sollte. Und auch so manch anderem möchte man sicherlich nicht zu viel über sich verraten. Verständlich. Gebongt. Geschenkt.
Tragisch wird es dann nur, wenn man hinterher fragt: “Du sag’ mal: Sieht dein Desktop eigentlich immer so aus oder hast du für die Sitzung aufgeräumt?” Die Antwort darauf kann jetzt entweder die Wahrheit abbilden und eine groteske Lüge werden. In vielen Fällen entscheiden sich die Leute für eine Lüge und sagen so unverfängliche Dinge wie “Klar sieht der immer so aus!” oder “Natürlich, warum sollte ich auch aufräumen?” und natürlich glaubt man das dann auch. Wie könnte es denn auch anders sein?