
Die Medien erinnern am heutigen Tag an den tragischen Selbstmord von Robert Enke. Genau vor einem Jahr nahm sich der Nationaltorhüter und die unumstrittene Nummer Eins von Hannover 96 das Leben. Enge Vertraute des Torhüters nahmen heute an einer Andacht teil. Für alle anderen wurde eine Trauerstätte in der Nähe des Stadions von Hannover 96 eingerichtet. Eine tragische Geschichte – nicht zuletzt, weil Robert Enke unter Depressionen litt und kaum jemand davon wusste. Diese Tatsache rüttelte vor einem Jahr viele Menschen wach. Alle wollten sensibler sein und mehr auf ihre Mitmenschen achten. Ob sie es letztendlich auch getan haben, wird wohl von Mensch zu Mensch unterschiedlich zu bewerten sein…
Aber ich möchte gar nicht näher auf den Selbstmord von Robert Enke eingehen, sondern viel mehr ist es mir ein Anliegen an eine andere Tragödie zu erinnern. Vor 109 Tagen, am 24.07.2010, ereignete sich auf der LoveParade 2010 in Duisburg, die unter dem Motto “The Art of Love” stattfand, eine große Katastrophe. Bei einer Massenpanik, die am Nachmittag losbrach, kamen 21 Menschen zu Tode, über 500 verletzten sich teilweise schwer und Hunderte erlitten ein Trauma, weil sie die schrecklichen Szenen, die sich vor ihren Augen abspielten, miterleben mussten.
Als ich einen Tag später einen Artikel über die Tragödie verfasste, dachte ich noch, dass die Gründe und die Verantwortlichen in der Folgezeit beim Namen genannt werden würden. Ich habe fest daran geglaubt, dass alles lückenlos aufgeklärt würde. Heute, über drei Monate nach diesem schrecklichen Tag, muss ich allerdings leider feststellen, dass diese lückenlose Aufklärung bis heute nicht erfolgt ist – zumindest nicht von offizieller Seite.
Stadt, Veranstalter und Polizei geben sich gegenseitig die Schuld an dem, was dort geschehen ist. Niemand ist dafür bisher rechtlich belangt worden. Die Ermittlungen laufen weiterhin “gegen Unbekannt”. Das finde ich übrigens äußerst bemerkenswert, weil der Staatsanwaltschaft über 700 Zeugen und gar 1000 Videos für die Klärung zur Verfügung stehen. Insgesamt gesehen ist diese Tragödie wahrscheinlich so gut dokumentiert, wie keine zuvor.
Die Gründe, die zu diesem Geschehen führten, sind mittlerweile durch viele Experten und durch engagierte Menschen aufgedeckt worden. So hat es große Mängel bei der Planung gegeben. Das Gelände des alten Güterbahnhofs war für die zu erwartende Menschenmasse viel zu klein und darüber hinaus noch durch Mauern eingeschlossen. Der Ein- und Ausgang hätte mit Tunnel und Rampe gar nicht schlechter gewählt werden können (vor allem deshalb, weil es bessere und vor allem sichere Alternativen gab). Das Sicherheitskonzept hatte eine Vielzahl von Lücken. Durch Probleme bei der Kommunikation zwischen Einsatzzentrale und den Kräften vor Ort war meist unklar wie in den entsprechenden Situationen gehandelt werden sollte.
Wenn man nun lesen darf, dass diese Veranstaltung nur deshalb stattfinden konnte, weil Sicherheitsbestimmungen etc. durch Sondergenehmigungen außer Kraft gesetzt und kritische Stimmen schlichtweg von allen verantwortlichen Stellen überhört wurden, dann bekommt man doch direkt eine Gänsehaut. Auch wenn sicherlich niemand wollte, dass es zu solchen Szenen kommt, so muss doch den meisten Verantwortlichen zumindest bewusst gewesen sein, dass so etwas im Bereich des Möglichen liegt.
Bis heute hat niemand öffentlich die Verantwortung übernommen. Niemand wurde bisher für dieses Unglück zur Rechenschaft gezogen. Das kann es doch einfach nicht sein. Die Fehler sind offenkundig. Und jemand hat diese Fehler gemacht. Also muss nun auch Gerechtigkeit hergestellt werden – 21 Menschen sind gestorben… wenn die Ermittlungen eingestellt werden ohne eine Verurteilung und ohne Konsequenzen, dann wäre das eine Farce.
Ich bin übrigens der Meinung, dass es grundsätzlich falsch ist, das die LoveParade in Zukunft nicht mehr stattfinden wird. Dies geschieht zwar laut Veranstalter aus Respekt vor den Opfern, doch ich würde es genau anders herum machen. Wenn die LoveParade weiterleben würde, dann wäre sie nicht nur ein großes Fest, sondern auch ein Platz, der auch noch in einigen Jahren an diese Katastrophe erinnert. Die Schuld dafür liegt nicht bei der grundsätzlichen Idee, sondern bei denen, die die LoveParade auf Biegen und Brechen durchführen wollten und durchgeführt haben.
Damit habe ich erst einmal alles niedergeschrieben, was mir in diesem Moment in den Sinn gekommen ist. Kommentare und Diskussionen würde ich hier begrüßen. Und wer noch mehr wissen will, der schaut am besten mal auf dem Blog Dokumentation der Ereignisse zur Loveparade 2010 in Duisburg vorbei.